Frankenthal

Stadt Frankenthal informiert zur Baumstrategie: Erhalt, Nachpflanzung und Klimaanpassung gehören zusammen

„Diese Sorgen nehme ich sehr ernst. Auch ich hätte mir gewünscht, möglichst viele der alten Platanen erhalten zu können. Deshalb habe ich die Fachverwaltung ausdrücklich gebeten zu prüfen, ob und wie ein Erhalt der Bäume möglich ist. Mir war wichtig, dass sämtliche realistischen Möglichkeiten sorgfältig bewertet werden“, er-klärt Oberbürgermeister Dr. Nicolas Meyer.

Sorgfältige Abwägung aller Interessen

Die fachliche Prüfung hat ergeben, dass ein dauerhafter Erhalt der Platanen aufgrund mehrerer Faktoren nicht verantwortbar ist. Im Zuge der notwendigen Erneuerung der Ver- und Entsorgungsleitungen sind erhebliche Eingriffe in den Wurzelbereich erforderlich. Bereits in der Vergangenheit haben Wurzeln Leitungen und Haus-anschlüsse beschädigt. Hinzu kommt, dass einzelne Bäume bereits Schädigungen durch Pilzbefall aufweisen. Nach den geltenden Regeln zur Verkehrssicherheit von Bäumen muss in solchen Fällen geprüft werden, ob die erforderliche Standfestigkeit dauerhaft gewährleistet werden kann.

„Als Oberbürgermeister ist es meine Aufgabe, die unterschiedlichen Interessen zusammenzuführen – den verständlichen Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger nach dem Erhalt möglichst vieler alter Bäume, die notwendige Modernisierung unserer Infrastruktur und die Sicherheit der Menschen. Politische Verantwortung bedeutet für mich nicht, fachliche Bewertungen zu ersetzen, sondern dafür Sorge zu tragen, dass alle Möglichkeiten sorgfältig geprüft, transparent erläutert und anschließend verantwortungsvoll entschieden werden. Die fachliche Einschätzung respektiere ich deshalb und trage sie mit.“

 

Vorschläge aus der Bürgerschaft wurden geprüft

In den vergangenen Tagen haben zahlreiche Bürgerinnen und Bürger konstruktive Ideen eingebracht – beispielsweise, die Platanen mit Spezialtechnik umzupflanzen oder die Planung an den vorhandenen Baumbestand anzupassen.

„Ich freue mich ausdrücklich über diese Vorschläge. Sie zeigen, wie wichtig den Menschen das Stadtgrün ist. Genau diesen Dialog wünsche ich mir.“

Auch diese Möglichkeiten wurden von der Fachverwaltung bewertet. Eine Verpflanzung von mehr als 80 Jahre alten Platanen mit entsprechend großem Kronen- und Wurzelvolumen ist nach fachlicher Einschätzung weder technisch sinnvoll noch wirtschaftlich vertretbar. Hinzu kommen die erforderlichen Eingriffe in den Wurzelbereich durch die Leitungsarbeiten. Die Erfolgsaussichten eines dauerhaften Anwachsens wären äußerst gering.

 

Aus der Vergangenheit gelernt – neue Baumstrategie auf den Weg gebracht

Viele Bürgerinnen und Bürger weisen darauf hin, dass in der Vergangenheit gefällte Bäume oftmals über längere Zeit nicht ersetzt wurden.

„Diese Kritik habe ich bereits unmittelbar nach meinem Amtsantritt selbst geäußert. Mir war schnell klar, dass wir dieses Thema strategisch und langfristig neu aufstellen müssen. Es genügt nicht, auf einzelne Baumfällungen zu reagieren – wir brauchen einen Plan, wie wir Frankenthal insgesamt grüner und klimaresilienter entwickeln.“

Deshalb wurde nach dem Amtsantritt von Oberbürgermeister Dr. Nicolas Meyer das Programm „1.000 Bäume für Frankenthal bis 2035“ gestartet. Gleichzeitig wurde erstmals ein umfassendes Nachpflanzungskonzept für die Frankenthaler Kernstadt in Auftrag gegeben.

 

Bereits heute zeigt sich, dass dieser Weg konkrete Ergebnisse bringt:

• Bereits 165 neue Bäume wurden im Stadtgebiet gepflanzt.

• Weitere über 100 Bäume werden nach den Beschlüssen der städtischen Gremien in der kommenden Pflanzperiode hinzukommen.

• Das Baumspendeverfahren wurde grundlegend vereinfacht und attraktiver gestaltet.

• Baumpatenschaften sowie die Ehrenamtsvereinbarung schaffen zusätzliche Möglichkeiten für bürgerschaftliches Engagement.

• Parallel wird derzeit ein Nachpflanzungskonzept für die Vororte erarbeitet.

 

Über 600 potenzielle Baumstandorte identifiziert

Ein wesentlicher Baustein der neuen Baumstrategie ist das bereits beschlossene und in Umsetzung befindliche Nachpflanzungskonzept für die Frankenthaler Kernstadt.

Hierfür wurden über 600 potenzielle Baumstandorte systematisch untersucht, bewertet und priorisiert. Das Konzept bildet die Grundlage für zukünftige Nachpflanzungen und macht zugleich transparent, warum frühere Baumstandorte heute oftmals nicht ohne Weiteres wieder aktiviert werden können.

Unter zahlreichen Baumstandorten verlaufen Gas-, Wasser-, Strom- oder Telekommunikationsleitungen. Deshalb ist eine Nachpflanzung an vielen Standorten so einfach nicht mehr möglich. Auch Stadtbäume benötigen ausreichend große Wurzelräume und gute Standortbedingungen was im dicht bebauten Stadtgebiet oft sehr schwierig zu gewährleisten ist. Deshalb können viele Standorte erst dann wieder bepflanzt werden, wenn im Zuge künftiger Straßenbaumaßnahmen auch die unterirdische Infrastruktur angepasst wird.

„Mir ist wichtig, dass wir größtmögliche Transparenz schaffen. Deshalb werden wir das Nachpflanzungskonzept auf der Internetseite der Stadt veröffentlichen. Jede Bürgerin und jeder Bürger soll nachvollziehen können, welche Standorte vorgesehen sind, welche bereits umgesetzt werden und warum einzelne frühere Baumstandorte derzeit leider nicht zur Verfügung stehen.“


Warum die Umsetzung Zeit benötigt

In der öffentlichen Diskussion wird auch darauf hingewiesen, dass die Maßnahme bereits im Jahr 2024 angekündigt wurde.

Hierzu ist festzuhalten, dass es sich im Wesentlichen um ein gemeinsames Infrastrukturprojekt handelt. Die Erneuerung der Ver- und Entsorgungsleitungen wird federführend durch die Stadtwerke Frankenthal sowie die beteiligten Versorgungsträger vorbereitet und umgesetzt. Auf den zeitlichen Ablauf dieser Leitungsmaßnahmen hat die Stadt nur begrenzten Einfluss. Erst anschließend kann der eigentliche Straßenbau erfolgen.

„Selbstverständlich wünschen auch wir uns eine möglichst zügige Umsetzung. Gleichzeitig nutzen wir die Zeit, um die Planung weiter zu optimieren und die Nachpflanzungen nach heutigen Standards vorzubereiten.“

 

Frankenthal auf den Klimawandel vorbereiten

Die Stadt Frankenthal steht – wie nahezu alle Kommunen – vor einer großen Herausforderung. Viele Straßenbäume wurden vor Jahrzehnten unter völlig anderen lokalen und klimatischen Bedingungen gepflanzt. Gleichzeitig altern zahlreiche Ver- und Entsorgungsleitungen, die in den kommenden Jahren erneuert werden müssen.

„Wir werden deshalb künftig immer wieder vor der schwierigen Aufgabe stehen, den Erhalt wertvoller Altbäume mit der Modernisierung unserer Infrastruktur und den Herausforderungen des Klimawandels in Einklang zu bringen. Diese Entscheidungen werden niemals einfach sein.“

Ziel der Stadt ist es deshalb, den Baumbestand nicht nur zu erhalten, sondern ihn Schritt für Schritt zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

„Die Bäume, die wir heute pflanzen, sollen auch in 50 oder 80 Jahren noch gesund wachsen können. Deshalb setzen wir bewusst auf klimaresiliente Baumarten, größere Wurzelräume und deutlich bessere Standortbedingungen. Unser Ziel ist es, den Baumbestand Frankenthals langfristig zu sichern und dort, wo es möglich ist, weiter auszubauen.

Mit dem Programm ‚1.000 Bäume für Frankenthal bis 2035, dem Nachpflanzungskonzept, den laufenden Pflanzoffensiven, dem neuen Baumspendeverfahren, den Baumpatenschaften und der Ehrenamtsvereinbarung haben wir hierfür die Grundlage geschaffen.

Mir geht es nicht darum, nur über einzelne Baumfällungen zu sprechen. Mir geht es um die Zukunft unseres gesamten Stadtgrüns. Wir gestalten heute die Stadt, in der unsere Kinder und Enkel einmal leben werden. Deshalb müssen wir jetzt verantwortungsvolle Entscheidungen treffen, transparent handeln und konsequent in neues Stadtgrün investieren. Diesen Weg werden wir gemeinsam weitergehen.“

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