Mit einem mitreißenden Programm aus der Romantik – von Carl Maria von Webers „Freischütz” bis zu George Gershwins Jazz-Klassikern – haben rund 55 junge und erwachsene Musikerinnen und Musiker der Städtischen Musikschule Frankenthal (Pfalz) am 13. Juni 2026 in der Zwölf-Apostel-Kirche ein „Romantisches Sommerkonzert” gegeben, das beim Publikum für Begeisterung sorgte.
Die Frankenthaler Stadtstreicher sind über die Jahre zu einem erstaunlichen Klangkörper angewachsen. Auf dem Programm standen die Ouvertüre zu Webers „Der Freischütz”, Werke von Edward Elgar, Gabriel Fauré, John Williams, Camille Saint-Saëns, Georges Bizet, Eugène Ysaÿe und vier Stücke von George Gershwin – Musik, die ein großes romantisches Orchester erfordert und in jeder Hinsicht herausfordernd ist, im Blick auf Rhythmik, Intonation, Klanggestaltung, Dynamik und Zusammenspiel. Das Orchester bewältigte diese Anforderungen und ließ die Werke leicht, transparent und differenziert klingen. Zwei der Arrangements stammen von Hans-Peter Spanheimer, der sie mit unverkennbarer Begeisterung selbst dirigierte.
Zu den Höhepunkten des Abends zählten auch die Auftritte der Solistinnen und Solisten. Die erst 15 Jahre alte Maya Ghisoiu verzauberte mit Saint-Saëns' „Introduction et Rondo Capriccioso”, einem virtuosen Bravourstück, das langandauernden Beifall erhielt. Ysaÿes Caprice Nr. 6 nach Saint-Saëns, gewohnt souverän vorgetragen von Shirin-Aimée Schulz, gilt als eines der anspruchsvollsten Konzertstücke überhaupt – auch für das begleitende Orchester, das mit großer Präzision überzeugte. Und schließlich Finn Frefat, der seinem Flügelhorn samtweiche Töne entlockte und sich mit dem Orchester in die Jazzklänge von „Embraceable You” eingroovte.
Das Publikum reagierte mit großer Anerkennung. Besucherinnen und Besucher aus Kasachstan, die zum ersten Mal bei einem Konzert der Musikschule waren, zeigten sich überrascht: „So etwas haben wir von einer Musikschule nicht erwartet! Das war ja ein richtiges Konzert!”
Der Abend war zugleich ein kleines Jubiläum: Vor 15 Jahren startete Cami Hotea-Schulz das Orchesterprojekt der Musikschule als kleines Streicherensemble. Daraus ist über die Jahre eine Ensemblestruktur gewachsen, die heute drei Stufen umfasst: Anfängerinnen und Anfänger beginnen in der Saitenbande geleitet von Gyöngyi Gontermann, wechseln später ins Vororchester und schließlich zu den Stadtstreichern. Auch die Saitenbande und das Vororchester traten an diesem Abend auf – auf eigenen Wunsch unterstützt von den Stadtstreichern – und auch diese Auftritte klangen bemerkenswert konzertant.
Sowohl Cami Hotea-Schulz als auch Dieter Gontermann, als Vertreter des Fördervereins der Musikschule, betonten in kurzen Wortbeiträgen, wie wichtig es sei, dass das Orchester auch einer sozialen Aufgabe gerecht wird: Es bietet Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebensphasen Entfaltungsmöglichkeit und Sicherheit. Gezielt öffnet es sich immer wieder nach außen, es atmet „frische Luft” als Teil des Konzepts. So waren auch bei diesem Konzert fünf Mitwirkende über eine Kooperation mit dem Nordpfalzgymnasium Kirchheimbolanden dabei: ein Lehrer, zwei Schüler und zwei Eltern. Im Gegenzug unterstützen die Stadtstreicher Auftritte des Gymnasiums. Begegnung über Grenzen liegt in der DNA dieses Orchesters. Beginnend im Orchester selbst: Zwar liegt das Medianalter bei jungen 14 Jahren im Vororchester und 19 Jahren bei den Stadtstreichern, doch die Altersspanne reicht von 6 bis 76 Jahren! Grundschulkind und Senior teilen sich das Notenpult und machen gemeinsam fantastische Musik. Das freundschaftliche Zusammenspiel bei gleichzeitiger Offenheit trägt das Orchester auch über die Stadtgrenzen hinaus, etwa bei internationalen Konzertreisen und Städtebegegnungen. Schon am 23. Juni steht das nächste große Ereignis bevor: Die Stadtstreicher wurden zum Euro-Musique-Festival 2026 eingeladen und werden im Globe Theater des Europa-Parkes auftreten, gemeinsam mit 2000 anderen Musizierenden.
Auf die Frage nach weiteren Plänen verweist Cami Hotea-Schulz auf die enge Verbindung des Orchesters zur Stadtgeschichte: „Die Aufführung des Musicals ‚Frankenthaler Geschichte(n)' in der Erkenbert-Ruine zu 900 Jahre Chorherrenstift war für unser Orchester von großer Bedeutung. Jetzt hoffen wir, beim Jubiläum ‚450 Jahre Stadtrechte Frankenthal' im kommenden Jahr wieder eine Rolle spielen zu dürfen – das würde sehr zur Motivation aller Mitwirkenden beitragen.”
Der Förderverein der Musikschule gestaltete das Catering rund um das Konzert und füllte damit erneut die Spendentöpfe. Aus solchen Mitteln war zuvor unter anderem das Orchesterwochenende in Limburg finanziert worden – ein wichtiger Beitrag zur intensiven Vorbereitung des Konzertes.
Das nächste Halbjahres-Konzert des Orchesters findet am 5. Dezember 2026 statt.



