Hintergrund sind wiederkehrende Konflikte zwischen Fußgängerinnen und Fußgängern auf der einen sowie Radfahrenden und E-Scooter-Nutzenden auf der anderen Seite. Ziel des City-Radrings ist es, eine attraktive, sichere und komfortable Umfahrung der Fußgängerzone anzubieten und damit den Radverkehr stärker auf geeignete Straßen zu lenken.
„Die Fußgängerzone ist Einkaufsort, Treffpunkt und Aufenthaltsraum. Sie soll ein Ort sein, an dem Menschen gerne unterwegs sind und sich sicher bewegen können. Dafür brauchen wir nicht nur Kontrollen, sondern auch gute Alternativen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Nicolas Meyer.
City-Radring als attraktive Alternative
Der City-Radring soll eine nahezu ringförmige Umfahrung der Fußgängerzone schaffen. Vorgesehen sind zunächst Fahrradstraßen in den Bereichen
- Synagogengasse – Schnurgasse – Glockengasse,
- Carl-Theodor-Straße – Elisabethstraße und
- Ackerstraße – Turnhallstraße.
Die Fahrradstraßen sollen grundsätzlich auch für den Kraftfahrzeugverkehr zugänglich bleiben. Für Autofahrer gelten dort besondere Regeln: Der Radverkehr hat Vorrang, Radfahrende dürfen nebeneinander fahren und der Kraftfahrzeugverkehr muss seine Geschwindigkeit an den Radverkehr anpassen.
„Eine Fahrradstraße ist keine Straße ohne Autos. Das möchte ich ausdrücklich klarstellen. Die Innenstadt wird nicht für den Autoverkehr gesperrt. Wer zum Einkaufen, zu einem Geschäft, in eine Praxis, zur Gastronomie oder zu einem anderen Ziel in der Innenstadt muss, kann dieses Ziel grundsätzlich weiterhin mit dem Auto erreichen“, betont Meyer.
An zwei Stellen sind ergänzende Maßnahmen vorgesehen, um vermeidbaren Durchgangs- und Abkürzungsverkehr auf das dafür vorgesehene Hauptstraßennetz zu verlagern. In der Carl-Theodor-Straße soll geprüft werden, ob eine Verkehrsregelung, die den Autoverkehr in eine Fahrtrichtung begrenzt, geeignet ist, den Abkürzungsverkehr auf den Inneren Ring zu lenken. Die Tiefgarage und die Innenstadtziele sollen dabei weiterhin erreichbar bleiben.
Auch in der Turnhallstraße ist im Zusammenhang mit der Fahrradstraße eine Einbahnstraßenregelung vorgesehen. Dadurch soll insbesondere Schleichverkehr reduziert werden. Vor einer Umsetzung werden die Verkehrsmengen und die Auswirkungen auf das umliegende Straßennetz genauer untersucht.
Drei Bausteine für mehr Sicherheit
Der City-Radring ist Teil eines umfassenderen Ansatzes der Stadt. An den Zugängen zur Fußgängerzone wird derzeit eine neue und eindeutige Beschilderung angebracht, die die geltenden Verkehrsregeln verständlich verdeutlichen soll. Zudem kontrolliert die Stadt nach Zustimmung des Landes bereits seit Anfang Juli E-Scooter und Radfahrer – vor allem in der Fußgängerzone.
„Wir wollen die Verkehrssicherheit aber nicht allein durch Kontrollen verbessern. Wir wollen auch gute Wege anbieten, die Radfahrerinnen und Radfahrer gar nicht erst in die Fußgängerzone führen. Wenn die Umfahrung genauso gut und komfortabel ist, ist das für alle Beteiligten die bessere Lösung“, so Meyer.
Breite Beteiligung
Das Konzept wurde in den vergangenen Monaten gemeinsam mit zahlreichen Akteuren entwickelt und beraten. In mehreren Workshops waren Vertreterinnen und Vertreter der Stadtratsfraktionen, der Beirat für Menschen mit Behinderung, der Seniorenbeirat, der ADFC Frankenthal, die Polizeiinspektion Frankenthal, das Innenstadtgewerbe sowie weiterführende Schulen beteiligt.
Dabei wurden insbesondere die Belange von Verkehrssicherheit, Barrierefreiheit, Fuß- und Radverkehr, Schulwegen, Erreichbarkeit und Innenstadtgewerbe berücksichtigt.
„Wir haben dieses Konzept nicht alleine am Schreibtisch entwickelt. Wir haben unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht und gemeinsam nach einer tragfähigen Lösung gesucht. Dafür danke ich allen Beteiligten ausdrücklich“, sagt Meyer.
Verkehrsversuch startet voraussichtlich im Frühjahr
Nach dem Beschluss werden die Planungen für die Fahrradstraßen konkretisiert. Parallel werden Verkehrsmengen in den betroffenen Straßen und an umliegenden Knotenpunkten erfasst. Der Verkehrsversuch soll nach aktueller Planung mit Beginn der Fahrradsaison im kommenden Frühjahr starten und zwölf Monate dauern.
Neben den Verkehrsdaten sollen auch die Erfahrungen und Rückmeldungen von Anwohnerinnen und Anwohnern, Gewerbetreibenden, Schulen, Interessenvertretungen und weiteren Betroffenen in die Auswertung einfließen. Bei Bedarf sollen während des Versuchs Anpassungen vorgenommen werden können.
Nach Abschluss der Testphase soll ergebnisoffen über eine dauerhafte Beibehaltung, Anpassung, Erweiterung oder gegebenenfalls Rücknahme der Maßnahmen entschieden werden.
„Wir probieren hier etwas aus und schauen genau hin, was funktioniert und wo wir nachsteuern müssen. Unser Ziel ist eine Innenstadt, die gut erreichbar ist, in der der Handel funktioniert und in der Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer ihren Platz haben“, fasst Meyer zusammen.
Für eine mögliche spätere Ausbaustufe soll außerdem ein Entwurf für eine Fahrradstraße in der Mühlstraße und der Ackerstraße erarbeitet werden. Damit ist noch keine Entscheidung über eine spätere Umsetzung oder einen Wegfall von Stellplätzen verbunden.



