Hintergrund ist eine enge Fristsetzung des Bundes: Die Projektskizzen mussten bis zum 15. Januar 2026 eingereicht werden; ein förmlicher Stadtratsbeschluss ist bis spätestens 30. Januar 2026 nachzureichen. Um diese Förderchance nicht zu verlieren, wurde der Beschluss in einer Sondersitzung herbeigeführt.
Mit der Antragstellung verfolgt die Stadt Frankenthal das Ziel, sich Fördermöglichkeiten von Land und Bund offen zu halten und damit eine belastbare Grundlage für die künftige Ausrichtung der Frankenthaler Bäderlandschaft zu schaffen. Die Antragstellung ist ausdrücklich ein notwendiger formaler Schritt und keine Vorfestlegung auf eine konkrete bauliche Lösung – weder auf eine Sanierung im Bestand noch auf den Neubau eines Kombibades.
Oberbürgermeister Dr. Nicolas Meyer, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Bäder und Parken GmbH, betont: „Unsere Bäder sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge. Gleichzeitig haben sich über viele Jahre erhebliche technische und bauliche Sanierungsbedarfe aufgebaut, die mit punktuellen Maßnahmen nicht mehr zu bewältigen sind. Gerade weil Ostparkbad und Strandbad für Schulen, Vereine und die Bürgerschaft insgesamt unverzichtbar sind, müssen wir jetzt die Förderchancen nutzen. Angesichts der größten kommunalen Finanzkrise seit der Nachkriegszeit sind solche Investitionen aus eigener Kraft kaum darstellbar.“
Was soll konkret saniert werden?
Die Förderanträge basieren auf detaillierten technischen und wirtschaftlichen Prüfungen der Bäder und Parken GmbH. Vorgesehen sind insbesondere Maßnahmen zur Sicherung der Betriebssicherheit, zur Modernisierung der technischen Infrastruktur, zur Verbesserung der Energieeffizienz sowie zur Stärkung von Barrierefreiheit und Inklusion.
Im Ostparkbad liegen die Schwerpunkte unter anderem auf der Erneuerung der Badewasser- und Lüftungstechnik, der Gebäudeleittechnik, von Pumpen, Filtern und wasserführenden Leitungen sowie auf baulichen Maßnahmen an stark beanspruchten Bereichen. Ergänzt werden diese durch Investitionen in Inklusion, etwa durch Liftsysteme für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.
Im Strandbad sind unter anderem die Sanierung und Modernisierung der Sanitär- und Umkleidebereiche, umfangreiche technische Erneuerungen, der Umbau von Beckenbereichen, Maßnahmen zur Energieversorgung – unter anderem Photovoltaik und Wärmepumpen – sowie deutliche Verbesserungen bei Barrierefreiheit und Zugänglichkeit vorgesehen.
Ziel ist es, beide Standorte dauerhaft sicher, wirtschaftlich, energieeffizient und für alle Alters- und Nutzergruppen nutzbar zu erhalten.
Karmen Strahonja, Geschäftsführerin der die Bäder betreibenden Bäder und Parken GmbH, erklärt: „Unser Anspruch ist es, Ostparkbad und Strandbad langfristig für alle Menschen offen zu halten – für Schulen und Vereine ebenso wie für Familien, Seniorinnen und Senioren und alle Bürgerinnen und Bürger. Die beantragten Maßnahmen sind notwendig, um den Betrieb technisch abzusichern, Energieverbräuche zu senken und die Anlagen wirtschaftlich tragfähig weiterzuführen.“
Geschäftsführer Volkmar Langefeld ergänzt: „Die Sanierungsbedarfe sind fachlich eindeutig belegt. Ohne grundlegende Erneuerungen steigen sowohl die Betriebsrisiken als auch die laufenden Kosten. Das Bundesprogramm eröffnet die Chance, notwendige Investitionen umzusetzen und gleichzeitig die Belastung des städtischen Haushalts deutlich zu reduzieren.“
Investitionsvolumen, Förderung und Entscheidungsverfahren
Das Gesamtinvestitionsvolumen für beide Bäder beläuft sich nach aktuellem Stand auf rund 10,6 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 6,35 Millionen Euro auf das Strandbad und rund 4,21 Millionen Euro auf das Ostparkbad.
Die beantragte Bundesförderung beträgt bis zu 75 Prozent, insgesamt rund 7,9 Millionen Euro. Der kommunale Eigenanteil der Stadt Frankenthal würde sich damit auf rund 2,7 Millionen Euro belaufen.
Über die Aufnahme der Projekte in das Bundesförderprogramm entscheidet im weiteren Verfahren der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages. Die genannten Beträge basieren auf dem derzeitigen Planungsstand und dienen ausschließlich der Förderantragstellung.
Sanierung oder Kombibad: kein Entweder-oder
Die Stadt Frankenthal betont ausdrücklich, dass die Förderanträge keine Entscheidung gegen ein mögliches Kombibad darstellen. Die Frage der künftigen Bäderstruktur ist eine langfristige strukturelle Entscheidung mit erheblichen finanziellen, betrieblichen und städtebaulichen Auswirkungen und wird derzeit weiter fachlich vorbereitet.
Einbindung in Stadtmarketing, Dachmarke und Tourismusstrategie
Die Weiterentwicklung des Ostparkbades und des Strandbades ist zugleich Teil einer übergeordneten strategischen Ausrichtung der Stadt Frankenthal. Ab dem Jahr 2026 wird die Stadt einen partizipativen Prozess zur Entwicklung einer städtischen Dachmarke starten, der durch die Erarbeitung einer Tourismus- und Stadtmarketingstrategie ergänzt wird.
In diesem Zusammenhang spielen das Strandbad und das Ostparkbad eine zentrale Rolle: Sie sind prägende Orte für Lebensqualität, Freizeit, Sport und Erholung und zugleich wichtige Bausteine für die Positionierung Frankenthals als familienfreundliche Stadt in der Metropolregion Rhein-Neckar. Ziel ist es, diese Qualitäten künftig noch stärker sichtbar zu machen, touristische Potenziale zu heben und die Bäder als Aushängeschilder der Stadt weiterzuentwickeln.
Die Förderanträge und die bereits umgesetzten Attraktivierungsmaßnahmen fügen sich damit in eine gesamtstädtische Entwicklungsstrategie ein, die kurzfristige Verbesserungen mit langfristigen Zielen in den Bereichen Stadtimage, Tourismus und Aufenthaltsqualität verbindet.
Kurzfristige Attraktivitätssteigerung mit messbarem Erfolg
Parallel zu den langfristigen Strukturfragen hat die Stadt Frankenthal seit dem Amtsantritt von Oberbürgermeister Dr. Nicolas Meyer gemeinsam mit dem Aufsichtsrat und der Geschäftsführung der Bäder und Parken GmbH eine Vielzahl von konkreten Maßnahmen zur kurzfristigen Attraktivitätssteigerung, insbesondere im Strandbad, umgesetzt.
Dazu zählen unter anderem die Inbetriebnahme einer großen Wibit-Wasserattraktion, die Einrichtung einer Beachbar, die Schaffung einer direkten ÖPNV-Anbindung, neue Sport- und Bewegungsangebote wie Slackline, Basketballkorb und Beachvolleyballfeld sowie weitere qualitative Verbesserungen der Aufenthalts- und Liegeflächen. Mehrere dieser Maßnahmen sind auch Ergebnis eines gezielten Jugendworkshops, bei dem Anregungen junger Menschen aufgenommen und umgesetzt wurden.
Ergänzend dazu wurden die Social-Media-Kanäle der Bäder grundlegend neu aufgestellt. Inhalte, Angebote und Veranstaltungen werden seither deutlich aktiver und professioneller kommuniziert, um das Strandbad und das Ostparkbad auch überregional sichtbarer zu machen und neue Zielgruppen anzusprechen.
Diese Kombination aus konkreten Verbesserungen vor Ort und einer stärkeren öffentlichen Sichtbarkeit zeigt messbare Wirkung: In der Saison 2025 konnte das Strandbad trotz eines wetterbedingt durchwachsenen Julis rund 103.600 Besucherinnen und Besucher verzeichnen und damit erstmals seit mehreren Jahren wieder die 100.000-Besucher-Marke überschreiten.
Für die Saison 2026 sind weitere gezielte Verbesserungen vorgesehen, darunter die Erweiterung der Wibit-Wasserattraktion um ein zusätzliches großes Rutschelement, die Installation einer neuen Rutsche im Kinderbereich des Ostparkbades sowie Maßnahmen zur weiteren Steigerung der Aufenthaltsqualität, etwa durch die künftig maschinelle Aufsammlung von Wildgänsekot auf den Liege- und Aufenthaltsflächen.
Beteiligung und Sponsoring
Ergänzend setzt die Bäder und Parken GmbH auf ein Sponsoring- und Beteiligungskonzept, um zusätzliche Attraktionen und qualitative Erweiterungen mit privaten Mitteln gegen zu finanzieren und den städtischen Haushalt zu entlasten. Über die Plattform www.unser-strandbad.de können sich Unternehmen ebenso wie Bürgerinnen und Bürger, die sich dem Strandbad besonders verbunden fühlen, freiwillig und projektbezogen an der Weiterentwicklung beteiligen.
Damit wird ein zusätzlicher Weg eröffnet, Engagement aus der Stadtgesellschaft und der lokalen Wirtschaft gezielt in konkrete Verbesserungen zu überführen und die Identifikation mit den Frankenthaler Bädern weiter zu stärken.



