Erkenbert-Museum

OBJEKT DES mONATS

Das Objekt des Monats August in der Stadtbücherei

Ein schweres Stück Geschichte

Zwischen 1600 und 1608 wurde Frankenthal nach den damals neuesten Grundsätzen des Festungsbaus mit Bastionen, Wällen und Wassergräben ausgebaut. Die Stadt galt bald als die stärkste linksrheinische Wehranlage der Kurpfalz. Ihr modernes Sternfestungs-System war darauf ausgelegt, Angriffen mit Kanonen wirksam standzuhalten. Dank der strategisch günstigen Lage am Rhein spielte Frankenthal im Dreißigjährigen Krieg eine regionale Schlüsselrolle und wurde mehrfach belagert. Besonders bekannt ist die erste groß angelegte Belagerung von 1621 durch spanische Truppen unter Goncalo de Cordoua. Die Festung hielt ihr erfolgreich stand, blieb jedoch weiterhin umkämpft. Nach fast zweijähriger Verteidigung musste die Stadt schließlich kapitulieren und blieb anschließend jahrzehntelang unter spanischer Besatzung. Ihr Ende fand die Festung im Pfälzischen Erbfolgekrieg: Im Jahr 1689 ließ der französische König Ludwig XIV. Frankenthal niederbrennen und die Festungswerke systematisch schleifen. Zwar wurde die Stadt später wieder aufgebaut, ihre militärische Bedeutung erlangte sie jedoch nie zurück.

Die heutige Frankenthaler Innenstadt wird von den Ringstraßen umschlossen, die den Verlauf der ehemaligen Wehranlage weitgehend nachzeichnen. Bei Bauarbeiten wurden hier immer wieder Zeugnisse der einstigen Festung entdeckt. Hierzu gehört auch die gusseiserne Geschützkugel, die im Bereich des ehemaligen Wallgeländes aufgefunden wurde.

Mehr zum Objekt

Neben Vernarbungen und Abplatzungen auf der Oberfläche ist insbesondere die mittig umlaufende Gussnaht gut erkennbar. Mit einem Durchmesser von rund 14 cm weist die Eisenkugel ein beachtliches Gewicht von etwa 10,4 Kilogramm auf. Sie entsprach damit einer Größenordnung, die bei schweren Belagerungskanonen wie 24-Pfündern vorkam – also genau den Waffen, die gegen Bastionsfestungen wie Frankenthal eingesetzt wurden. Ein einzelner Treffer richtete oft wenig Schaden an – mehrere Schüsse auf dieselbe Stelle konnten hingegen Breschen in befestigte Wälle schlagen und selbst meterdicke Mauern zum Einsturz bringen.

Daten zum Objekt

Geschosskugel

Eisen-Guss

17. Jahrhundert

Ø ≈ 13,9 bis 14 cm

Fundort: ehemaliges Wallgelände (Festung Frankenthal)

Erkenbert-Museum, Inv. Nr. G 869

Detailansicht

OdM 08-2026 Detailansicht

Festung und Belagerung anhand einer historischen Quelle 

Abriss Frankenthal-Karte Belagerung 1621
Ausschnitt aus dem Plan der Belagerung Frankenthals vom 27. Sept. - 14. Okt. 1621 durch den Oberst Don Goncalo de Cordoua. Aus: Theatrum historiae universalis, von H. Helvicus 1641, Erkenbert-Museum Inv.-Nr. 001.569


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Objekt des Monats

Das „Objekt des Monats“ ist ein gemeinsames Projekt des Erkenbert-Museums und der Stadtbücherei, bei dem im Wechsel besondere Objekte des Museums in einer Vitrine im Eingangsbereich der Stadtbücherei ausgestellt werden. Hintergrund ist die derzeitige Schließung des Museums aufgrund anstehender Sanierungsarbeiten. Das Museum wird in dieser Zeit mit einer Reihe von Aktionen und Ausstellungen unter dem Motto „Das Museum in der Stadt“ für die Öffentlichkeit sichtbar bleiben.

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