Frankenthal

Digitalisierungsstrategie: Frankenthal stellt Verwaltung für die Zukunft neu auf

Ausgangspunkt war eine umfassende Bestandsaufnahme des digitalen Reifegrades der Stadtverwaltung. Gemeinsam mit der PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH wurden bestehende Strukturen, Prozesse und digitale Angebote untersucht. Die Analyse hat deutlich gemacht, dass Frankenthal im Vergleich zu bereits stärker digitalisierten Verwaltungen erheblichen Entwicklungs- und Aufholbedarf hat. Daraus wurden konkrete Handlungsfelder, Prioritäten und Projekte für die kommenden Jahre entwickelt.

Die politischen Voraussetzungen für diesen Prozess hatte der Stadtrat bereits mit der Bereitstellung der erforderlichen Mittel geschaffen. Nach dem Startschuss im Ausschuss für Finanzen, Personal und Sicherheit im Dezember 2025 folgte ein rund neunmonatiger Erarbeitungsprozess. Neben der Analyse des digitalen Reifegrades flossen Tiefeninterviews, digitale Befragungen und mehrtägige Workshops mit Mitarbeitenden und Führungskräften ein. Auch Fraktionen und Beiräte wurden über digitale Live-Befragungen beteiligt.

Klarer Fahrplan

Oberbürgermeister Dr. Nicolas Meyer sieht in der Strategie einen wichtigen Baustein der umfassenden Modernisierung der Stadtverwaltung:

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten jeden Tag viel – teilweise unter Rahmenbedingungen und mit Strukturen und technischen Möglichkeiten, die nicht mehr überall zeitgemäß sind. Genau hier müssen wir ansetzen. Die externe Analyse hat bestätigt, dass wir bei der Digitalisierung erheblichen Entwicklungs- und Aufholbedarf haben. Deshalb haben wir uns bewusst die Zeit genommen, zunächst unseren tatsächlichen digitalen Reifegrad zu bestimmen und daraus eine belastbare Strategie zu entwickeln. Jetzt haben wir einen klaren Fahrplan für die kommenden Jahre.“

Entscheidend sei dabei nicht die Digitalisierung an sich, sondern die konkrete Verbesserung von Verwaltungsleistungen.

„Eine Digitalisierungsstrategie ist für die Bürgerinnen und Bürger erst dann erfolgreich, wenn Verwaltung für sie im Alltag einfacher wird. Wer einen Antrag stellt, soll Informationen gut finden, möglichst wenige unnötige Wege haben und nachvollziehen können, was mit seinem Anliegen geschieht. Genau daran wollen wir Schritt für Schritt arbeiten“, so Meyer.

Einfacher zur Verwaltung – digital, telefonisch und persönlich

Unter dem Leitbild „Services. Einfach. Machen.“ richtet die Stadt ihre Verwaltungsleistungen künftig stärker an den Bedürfnissen der unterschiedlichen Nutzergruppen aus. Dazu gehören Bürgerinnen und Bürger ebenso wie Unternehmen, Vereine und Verbände, andere Institutionen sowie die Beschäftigten der Stadtverwaltung.

Für Bürgerinnen und Bürger soll sich die Modernisierung dort bemerkbar machen, wo Verwaltung im Alltag einfacher werden kann: Informationen schneller finden, Anträge unkomplizierter stellen, unnötige Mehrfachwege vermeiden und Verwaltungsprozesse transparenter gestalten. Wo es rechtlich und technisch möglich und sinnvoll ist, sollen Verwaltungsleistungen zunehmend durchgängig digital angeboten und Medienbrüche vermieden werden.

Dabei bedeutet Digitalisierung ausdrücklich Wahlmöglichkeiten. Die Stadt setzt auf unterschiedliche Zugangswege zur Verwaltung. Digitale Angebote schaffen zusätzliche Möglichkeiten; gleichzeitig bleiben persönliche und telefonische Beratung wichtige Bestandteile eines modernen Bürgerservices.

Dabei sollen unterschiedliche Lebenssituationen berücksichtigt werden. Nicht jeder Mensch kann oder möchte Verwaltungsleistungen ausschließlich digital nutzen. Dies betrifft beispielsweise ältere Menschen oder Menschen, die aufgrund einer Behinderung besondere Anforderungen an den Zugang zu Verwaltungsleistungen haben. Barrierefreiheit, Verständlichkeit und einfache Zugänglichkeit sollen deshalb bei der weiteren Digitalisierung von Beginn an berücksichtigt werden. Ziel ist eine Verwaltung, die möglichst vielen Menschen einen einfachen Zugang ermöglicht – digital, telefonisch und persönlich.

Digitalisierung ist mehr als neue Technik

Die Umsetzung der Strategie erfolgt bewusst schrittweise. Zunächst werden Grundlagen und ein einheitlicher Steuerungs- und Ordnungsrahmen geschaffen. Darauf folgen gemeinsame Standards sowie darauf aufbauend die weitere Digitalisierung und Automatisierung von Verwaltungsprozessen.

Dabei geht es nicht darum, bisherige Abläufe lediglich digital abzubilden. Prozesse sollen überprüft, wo möglich vereinfacht und anschließend sinnvoll digital unterstützt werden. Die Stadt priorisiert deshalb Vorhaben und setzt sie aufeinander auf, anstatt eine Vielzahl einzelner Projekte gleichzeitig und unverbunden zu verfolgen.

Meyer: „Unser Ziel ist keine digitale Verwaltung um der Digitalisierung willen. Unser Ziel ist eine Verwaltung, die für die Menschen einfacher funktioniert und in der unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gute Rahmenbedingungen für ihre Arbeit haben.“

Modernisierung auch unter schwierigen Rahmenbedingungen

Die Digitalisierung der Verwaltung ist zugleich Teil der langfristigen Zukunftssicherung der Stadt. Neben den erheblichen Investitionen in Schulen und Kitas, Straßen, Feuerwehr und weitere städtische Infrastruktur müssen auch Verwaltungsstrukturen und technische Voraussetzungen modernisiert werden.

„Gerade eine Stadt mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen muss ihre Abläufe modernisieren“, betont Meyer. „Digitalisierung kostet zunächst Geld, Zeit und Kraft. Richtig eingesetzt kann sie aber Prozesse vereinfachen, Beschäftigte entlasten und Ressourcen dort einsetzen helfen, wo persönliche Beratung und fachliche Entscheidungen gebraucht werden. Das ist keine Aufgabe, die von heute auf morgen erledigt ist, sondern ein mehrjähriger Veränderungsprozess.“

Beschäftigte gestalten den Wandel mit

Eine zentrale Rolle kommt dabei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung zu. Ihre Erfahrungen aus der täglichen Arbeit sind wesentlich, wenn bestehende Prozesse überprüft und neue Lösungen entwickelt werden.

Dr. Sandra Bulling, Leiterin des Bereichs Personal, Organisation und Verwaltungsmodernisierung, betont: „Digitalisierung gelingt nur, wenn Organisation, Technik und Menschen gemeinsam gedacht werden. Die Erfahrung unserer Beschäftigten aus der täglichen Praxis ist dabei unverzichtbar. Unser Ziel sind Lösungen, die Abläufe vereinfachen, Doppelstrukturen reduzieren und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter insbesondere bei wiederkehrenden Aufgaben entlasten.“

Die breite Beteiligung von Mitarbeitenden und Führungskräften bei der Erarbeitung der Strategie soll deshalb auch während der Umsetzung fortgesetzt werden.

Ein Baustein der umfassenden Verwaltungsmodernisierung

Die Digitalisierungsstrategie wird eng mit der Verwaltungsmodernisierung F!T – Frankenthal in Transformation und der Stadtentwicklungsstrategie Frankenthal 2035 verzahnt.

Während Frankenthal 2035 die langfristige Entwicklung der Stadt und ihre zentralen Zukunftsthemen in den Blick nimmt, richtet F!T Strukturen, Prozesse und Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung neu aus. Die Digitalisierungsstrategie ergänzt diese Prozesse um die digitale Perspektive und schafft einen konkreten Fahrplan für die technische und organisatorische Weiterentwicklung.

Jetzt beginnt die Umsetzung

Mit dem Beschluss beginnt die Umsetzungsphase. Als Teil der städtischen Organisationsentwicklung wird eine interne Steuerungsgruppe aufgebaut, die Digitalisierungsprojekte zentral bewerten, priorisieren und koordinieren soll. Die fünf Handlungsfelder und 24 Ankerprojekte bilden hierfür den Arbeitsrahmen der kommenden Jahre.

Die Strategie wird alle zwei Jahre überprüft und an technische, rechtliche und organisatorische Entwicklungen angepasst.

Oberbürgermeister Meyer: „Wir wissen jetzt sehr genau, wo wir stehen und welche Aufgaben vor uns liegen. Nun kommt es darauf an, diesen Weg konsequent und realistisch Schritt für Schritt zu gehen. Der Erfolg wird sich daran messen lassen, ob die Menschen und Unternehmen in Frankenthal Verbesserungen im Kontakt mit ihrer Verwaltung erleben und ob unsere Beschäftigten durch moderne Strukturen besser bei ihrer Arbeit unterstützt werden.“

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