Erkenbert-Museum Service 

Erkenbert-Museum

Hinter den Kulissen

Hinter den Kulissen im Erkenbert-Museum

"Die Spitze des Eisbergs" ist eine Redewendung, die auch auf die Ausstellungsräume eines Museums zutrifft. Das Ausgestellte ist meistens nur eine kleine Auswahl aus der umfassenderen Sammlung, die in den Depots der Museen schlummert, und die Arbeit im Museum erfasst viel mehr als das Bestücken von Ausstellungen, Aufsicht und Besucherauskunft. Denn auch das, was Museumsbesucher von der Arbeit eines Museums sehen, ist nur ein Bruchteil dessen, was "Hinter den Kulissen" eines Museums vor sich geht.

Wir, das Team des Erkenbert-Museums, möchten Ihnen auf diesen Seiten vorstellen, was alles zur Museumsarbeit gehört und was sich im Museum hinter verschlossenen Türen verbirgt. Hier finden Sie Hintergrundinformationen zu unserem Team, der Arbeit der Restauratoren, einen Praktikumsbericht und Berichte über konkrete Restaurierungsarbeiten wie die Sicherung von musealen Objekten aus dem flutgeschädigten Ahrtal und den Leihverkehr, zum Beispiel für die Ausstellung "Zerbrechliche Schönheiten" im Schloss Erbach.

Die Sammlung

Das Erkenbert-Museum verfügt über eine vielfältige und umfangreiche Sammlung zur Geschichte der Stadt Frankenthal. Sie umfasst ca. 8.000 bis 10.000 Objekte aus verschiedenen Bereichen, die über 130 Jahre gewachsen ist. Aktuell, zur Vorbereitung der anstehenden Sanierungsarbeiten, wird die Sammlung erstmals komplett erfasst.

Die fachgerechte Verwaltung der Sammlung beinhaltet die Lagerung und Konservierung der Sammlungsobjekte, deren Bewegung in und aus den Depots in Ausstellungen und zu Restauratoren sowie die Planung und Vorbereitung von Ausstellungen und Koordination von Leihgaben, Forschungsanfragen und der Erstellung und Fortführung eines Sammlungskonzepts.

Das Team 

Diese vielfältigen Aufgabenbereiche teilen sich im Erkenbert-Museum Museumsleitung, zwei Museologinnen, drei in Teilzeit beschäftigte Restauratoren und eine Verwaltungskraft. Hinzu kommen Aufsichtskräfte sowie die von der Stadt gestellten Hausmeister und Reinigungskräfte.

2020 wurde ursprüngliche Team aus Leitung, Museologinnen und Verwaltungskraft zunächst befristet durch 9 Restauratoren/Restauratorinnen verschiedener Fachgebiete ergänzt: Stein, Holz, Metall, Gemälde, Papier, Porzellan, Textil. Drei Restauratorinnen/Restauratoren sind auch aktuell noch in Teilzeit beschäftigt. Da die Sammlung des Museums in Vorbereitung von Sanierungsmaßnahmen am Museumsgebäude in Depots umziehen musste, wurden alle Objekte und Objektgruppen gesichtet und verpackt, wo nötig wurden Konservierungsmaßnahmen ergriffen. Weitere Restaurierungsmaßnahmen erfolgen nun Schritt für Schritt im neuen Depot des Museums durch die drei weiter beschäftigten Restauratoren. Denn jedes Museum hat die große, formulierte Aufgabe, das ihm anvertraute Museumsgut zu "sichern, bewahren, sammeln, erforschen und erschließen" und natürlich auszustellen.

Jede Restauratorin und jeder Restaurator hat Spezialgebiete - das heißt, sie bzw. er weiß ganz genau, wie bestimmte Objektgruppen behandelt werden müssen, um sie dauerhaft zu bewahren. Das Erkenbert-Museum verfügt über Objekte zum Beispiel aus den Bereichen Porzellan/Keramik/Steingut, Gemälde, Grafiken, Bücher, Textil, Holz, Metall und Stein.

Das Museumsteam ist mittlerweile mit seinen Büroräumen in den Nachtweideweg umgezogen und bereitet dort eifrig mit großer Vorfreude die Wiedereröffnung des Museums mit Sonderausstellungen nach der Kellersanierung und die komplette Neukonzeption der Dauerausstellung nach der geplanten großen Sanierung vor.

Die Restauratoren in Aktion

In zwei Video-Clips stellen zwei der Restauratoren ihre Arbeit an Beispielen vor.

Wie wird ein Objekt verpackt? Welche Besonderheiten gibt es? Mit was für Material wird gearbeitet? Diese Fragen möchten wir Interessierten hier beantworten.


Kleine Skulpturen

Den Anfang macht Anna Košar, deren Fachgebiete die Konservierung und Restaurierung von Gemälden und gefassten Skulpturen sind. In dem Video zeigt sie an Objekten aus unserer Sammlung, wie kleine Skulpturen eingepackt werden.

Gemälde

Stefanie Göltz zeigt im zweiten Teil, wie Gemälde verpackt werden.



Ein Praktikumsbericht aus dem Museum

Vom 4. bis 15. Juli 2022 absolvierte die Schülerin Paulina Krebs ein Praktikum bei uns im Museum. Was Sie dabei erlebt hat, beschreibt sie am besten selbst:

Praktikum im Erkenbert-Museum Frankenthal

Praktikantin Paulina Krebs im Keller des Erkenbert-Museums während der Sanierungsphase
Praktikantin Paulina Krebs im Keller des Erkenbert-Museums während der Sanierungsphase

"Mein Name ist Paulina Krebs, ich bin 17 Jahre alt und besuche die Klasse 11. Im Juli 2022 hatte ich die Möglichkeit, ein zweiwöchiges Praktikum im Erkenbert-Museum zu machen, eine sehr spannende und lehrreiche Zeit. Mir wurden nicht nur Einblicke in die Verwaltung von Ausstellungen und Sammlungen ermöglicht, ich durfte ebenfalls den Restauratoren im Depot zur Hand gehen und dort direkt am Objekt lernen, wie man Ausstellungsstücke reinigt, verpackt, lagert und für die nächste Ausstellung aufbereitet. Mit anderen Worten: es war immer etwas zutun und es wurde nie langweilig.

Zumal das Erkenbert-Museum in diesem Zeitraum wegen Umzugsarbeiten geschlossen war, war es auch ohne Besucher eine geschäftige Zeit hinter den Kulissen des Museums: die Objekte mussten katalogisiert werden, genauso die Bibliothek an Fachbänden. Das Museum musste für die nächste Ausstellung „Flutgeschichten“ vorbereitet werden, d.h. die letzten Spuren des Umzugs mussten beseitigt werden. Für eine Ausstellung der städtischen Kunstsammlung mussten bereits die Gemälde herausgesucht, inspiziert und gesäubert werden. Außerdem musste ein neuer Bilderrahmen her. Bei all diesen Sachen durfte ich mit anpacken und fühlte mich mit der Zeit wie ein richtiger Teil des Teams. Generell habe ich die Menschen als sehr offen und herzlich empfunden, was meinen Einstieg und die Zusammenarbeit sehr angenehm machte.

Ich habe in dieser Zeit sogar meine ersten eigenen Restaurierungs-Projekte durchführen können: zwei Faschingsorden von 1963 und 1964. Unter Anleitung habe ich diese mit Hilfe von diversen Lösungsmitteln gereinigt, mit einer schützenden Wachsschicht überzogen und fotografiert. All diese Schritte zusammen mit allgemeinen Informationen über die Beschaffenheit und den ursprünglichen Zustand mussten natürlich in einem Zustandsprotokoll festgehalten werden.

In der Verwaltung habe ich jene Protokolle nach Nummern sortiert, sodass sie einfacher zu finden sind. Außerdem durfte ich einen Blick auf einen Leihgabe-Vertrag werfen. Es hat mich immer wieder überrascht, wie viel Arbeit hinter der Anschaffung und Verwaltung der Sammlungen steckt.

Meine Zeit im Erkenbert-Museum Frankenthal hat mir viele Aufgaben und Chancen in der Museumsarbeit vor Auge geführt und mein Interesse in diese Richtung nur verstärkt. Es war eine wertvolle Erfahrung und darüber hinaus eine sehr schöne Zeit." 

Besondere Stücke aus der Sammlung

Hinter den Kulissen: Unsere Objekte kommen in die Ausstellung in Schloss Erbach

Zu den wichtigen Aufgaben eines Museums gehört auch das Ausleihen von Objekten aus der eigenen Sammlung an andere Ausstellungen. So wird das dem Museum anvertraute Kulturgut einem breiten Publikum zugänglich gemacht und in verschiedene Kontexte gesetzt, um die Bedeutung der Frankenthaler Geschichte über die Stadtgrenzen hinaus zum einen und die kulturelle Identifikation anderer Städte zum anderen zu unterstreichen.

Im Jahr 2022 bis Januar 2023 werden rund 300 Stücke aus dem Erkenbert-Museum im Schloss Erbach im Odenwald zu sehen sein. 

Hinter den Kulissen bedeutete dies:

  • Sendung einer Objektliste an Schloss Erbach zur Auswahl der gewünschten Leihgaben
  • Sichtung und Prüfung der ausgewählten Leihgaben auf ihren Zustand und ihre Transportfähigkeit
  • Wo nötig, Restaurierungsmaßnahmen an den Leihgaben durch die Restauratorin des Erkenbert-Museums
  • Transportsichere Verpackung der Leihgaben
  • Transport der Leihgaben, begleitet durch die Restauratorin
  • Auspacken der Leihgaben am Bestimmungsort durch die Restauratorin
  • Aufbau der Ausstellung, ebenfalls mit Unterstützung durch die Restauratorin

Unsere Fachkraft für Porzellan, die im Erkenbert-Museum inzwischen fest angestellte akademische Restauratorin Heidrun Narbeshuber, begleitete den gesamten Prozess und hielt auch einen Vortrag in den ersten Wochen der Ausstellung.

Restaurierung von Gemälden aus dem Stadtmuseum Bad Neuenahr-Ahrweiler

Die Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal im Juli 2021 machte auch vor Kulturgut keinen Halt. Gemälde aus dem Besitz des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler waren tagelang in Schlamm und Wasser gefangen. Der hohe ideelle Wert dieser Kulturzeugnisse macht Rettung und Erhalt der Objekte zur Pflicht.

Einem Aufruf des Museumsverbands Rheinland-Pfalz um Hilfe für das gebeutelte Museum folgend boten die Stadt Frankenthal und das Erkenbert-Museum ihre Unterstützung bei der Rettung der Bilder an. Da infolge des Umzugs der eigenen Sammlung Restauratoren am Museum beschäftigt sind, kann das Erkenbert-Museum bei der "Amtshilfe" für das Stadtmuseum Bad Neuenahr-Ahrweiler auf die Expertise der erfahrenen Gemälderestauratorin Joanna Bella bauen und übernimmt die Restaurierung von sieben Gemälden.

Die schlimmsten Schäden an den Gemälden wurden bereits im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe beseitigt. Dort wurde eine Grundreinigung der unter dicken Schlammschichten verborgenen Bilder durchgeführt. Mitarbeiter des Erkenbert-Museums holten die Objekte dort ab und brachten sie am 7. Dezember 2021 ins Erkenbert-Museum.

Eines der beschädigten Gemälde wird begutachtet

Bei der ersten Begutachtung anwesend waren neben der Presse der Staatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck des Ministeriums für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, der Oberbürgermeister der Stadt Frankenthal Martin Hebich, die Leiterin des Stadtmuseums Bad Neuenahr-Ahrweiler Heike Wernz-Kaiser und die Geschäftsführerin des Museumsverbandes Rheinland-Pfalz Bettina Scheeder.

Restauratorin Joanna Bella untersuchte die Schäden an den Gemälden mit feinmechanischem Hilfsmitteln und gab eine erste Einschätzung zu Restaurierungsbedarf und -möglichkeiten.

Restaurator Bernd Mohr bei der Arbeit an einem der beschädigten Objekte



Restaurator Bernd Mohr, auf Metalle spezialisiert, nahm im April ein weiteres Objekt des Stadtmuseums in Empfang: Einen Glaskelch zur Quellenweihe des Heilbads Neuenahr aus dem Jahr 1858.


Restauratorin Joanna Bella bei der Arbeit an einem der beschädigten Gemälde


Über die weiteren Maßnahmen zu Reinigung und Erhalt der Objekte wird das Erkenbert-Museum hier fortlaufend berichten.


Mission: Sichten, inventarisieren, konservieren, einlagern