NS-Machtergreifung 1933

Eine Stadt wird braun. NS-Machtergreifung in Frankenthal 1933

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler, der Führer der NSDAP, von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskanzler einer Koalitionsregierung aus National-sozialisten, Deutschnationaler Volkspartei und Stahlhelm ernannt. In den folgenden Wochen nutzten er und seine Partei ihre neue Machtposition, um ihren Einfluss immer mehr auszuweiten. Am Ende dieses Prozesses stand die Zerstörung der Demokratie, die Uniformierung der deutschen Gesellschaft, die Herrschaft einer totalitären Partei, die Verfolgung und Terrorisierung Andersdenkender und schließlich der Zweite Weltkrieg, der von Hitler von Anfang an geplant war, und die Ermordung von Millionen Juden.

Was im Frühjahr 1933 in Frankenthal geschah, wie die Nationalsozialisten hier die Macht ergriffen und die städtische Gesellschaft durchdrangen, politische Gegner verfolgten, die Bürgermeister zum Rücktritt zwangen, missliebige Beamte entließen, den Stadtrat nach ihren Vorstellungen umbildeten, die demokratischen Parteien verboten oder zur Selbstauflösung zwangen, die Arbeitersport- und Arbeiterkultuvereine auflösten und alle anderen Vereine "gleichschalteten", wie man die Ersetzung nicht genehmer Vereinsvorstände durch NSDAP-Mitglieder oder NSDAP-Sympathisanten nannte, wird in der untenstehenden Chronik dokumentiert. Tag für Tag, jeweils das Ereignis, das auf den Tag genau vor 80 Jahren geschah.

 Mehr Infos zu Frankenthal in der NS-Zeit finden Sie hier

 

28. Februar 1933

Die Frankenthaler Zeitungen berichten über den Brand des Reichstages und die Verhaftung des holländischen Kommunisten Marinus van der Lubbe, der beschuldigt wird, den Brand gelegt zu haben. Ob er es wirklich war, ob er Alleintäter war oder im Auftrag anderer handelte, ist bis heute ungeklärt und immer wieder Gegenstand von Kontroversen.

Die Nationalsozialisten nutzen die Gelegenheit aber geschickt aus. Noch am gleichen Tag wird die "Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat", die sogenannte "Reichstagsbrandverordnung", erlassen, mit der die Grundrechte der Weimarer Verfassung praktisch außer Kraft gesetzt werden und die Verfolgung der politischen Gegner der NSDAP durch Polizei und SA legalisiert wird.

Die Reichstagsbrandverordnung ist nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und der Auflösung des Parlaments die nächste wichtige Etappe auf dem Weg zur Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur.

 

27. Februar 1933, 8:30 Uhr abends

Die NSDAP veranstaltet im Brauhauskeller eine weitere Mittelstandkundgebung. Sie steht unter dem Motto: "Mittelständler! Deine Rettung – nur Adolf Hitler!" Noch während der Kundgebung geht Hans Scholl, der Vorsitzende der Frankenthaler NSDAP, ans Mikrofon und teilt den Anwesenden mit, dass in Berlin der Reichstag brenne und man Brandstiftung vermute.

27. Februar 1933, 8 Uhr abends

In Flomersheim findet in der Gaststätte Hauck eine öffentliche Versammlung der KPD statt, an der etwa 100 Personen teilnehmen. Redner ist der Kellner Heinz Bernhard aus Ludwigshafen. Er fordert zur Wahl der KPD auf. In Deutschland und der übrigen Welt müssten die Arbeiter hungern, so betont er, in Russland sei dies anders. Dort gebe es keine Arbeitslosigkeit.

Ebenfalls am 26. Februar 1933

SA- und SS, insgesamt 700 bis 800 Mann, darunter eine Reiterstaffel, organisieren einen Propagandamarsch. Ausgangspunkt ist Ruchheim. Als sie in Eppstein an der Gaststätte Müller vorbeimarschieren und dort den uniformierten Pfalzwachtmann Jakob Müller, einen Bruder des Wirts, sehen, kommt es zu einem heftigen Wortgefecht. Daraufhin dringen Nationalsozialisten in die Gaststätte ein. Müller und seinen Bruder fliehen, werden aber gestellt und brutal zusammengeschlagen.

Zwischen Eppstein und Flomersheim kommt den SA- und SS-Männern dann ein Trupp der Frankenthaler Pfalzwacht entgegen. Erneut kommt es zu verbalen Auseinandersetzungen, die schließlich in eine Massenschlägerei ausarten. Die Pfalzwachtleute werden von der SA-Reiterstaffel in die Isenach getrieben, viele von ihnen ebenfalls brutal misshandelt. Während es in den letzten zwei Jahren immer wieder Auseinandersetzungen und Schlägereien zwischen Nationalsozialisten und Mitgliedern der Arbeiterparteien gegeben hat, sind nun zum ersten Mal Mitglieder einer katholischen Organisation Ziel des nationalsozialistischen Terrors.

 26. Februar 1933

Im Saal der Gaststätte "Zur Insel" in der Turnhallstraße veranstaltet die Frankenthaler Ortsgruppe der "Internationalen Arbeiterhilfe", eine der KPD nahestehende Organisation, eine öffentliche Versammlung. Da aber nur 12 Personen anwesend sind, wird die Versammlung verschoben.

24. Februar 1933

Zentrum und Bayerische Volkspartei veranstalten in Mörsch eine Wahlversammlung mit dem Ludwigshafener Reichstagsabgeordneten Hermann Hofmann, der zur Verteidigung der Demokratie und der Republik gegen die Nationalsozialisten und ihre rechten Koalitionspartner aufruft.

23. Februar 1933

In Mörsch wird eine Ortsgruppe der Pfalzwacht gegründet.

22. Februar 1933

Im Lokal Brunner hält die Pfalzwacht in Anwesenheit von Dekan Haußner einen weiteren "Vaterländischen Abend" ab. Gezeigt wird ein Lichtbildervortrag über die Wehrmacht. Zu Verfügung gestellt hatte die Bilder und den "Vorführungsapparat" die Vereinigte Kriegerkameradschaft Frankenthal.

21. Februar 1933

Die nationalsozialistische NSBO veranstaltet im Brauhauskeller eine öffentliche Versammlung, die von 200 Personen, die Hälfte davon Frauen, besucht wird. Frauen nehmen deshalb in so großer Zahl teil, weil Dienstagabends im Brauhauskeller immer die "Strick- und Flickstunde" der NSDAP-Frauen stattfindet. Nur der Nationalsozialismus, so die simple Botschaft des Redners der Versammlung, des Schlossers Luckenbach aus Ludwigshafen, könne dem Deutschen Reich eine bessere Zukunft bringen.

Der Frankenthaler Braushauskeller, das Parteilokal der NSDAP

Der Frankenthaler Brauhauskeller, das Parteilokal der NSDAP

 

Am selben Abend versammeln sich die Anhänger des Christlich-Sozialen Volksdienstes (CSVD), einer stark christlich-protestantisch-konservativ geprägten Partei, in der Gaststätte "Ax" in der Speyerer Straße. Die Ursache der Wirtschaftskrise, so der Redner, Studienrat Risch aus Speyer, sei die "Entfernung Gottes aus dem Erwerbs- und öffentlichen Leben und die Anbetung des Mammons". Führer des CSVD in Frankenthal ist der bekannte Sattlermeister und Presbyter Jakob Schatz

20. Februar 1933

Am Abend findet in der Gaststätte Cloßmann in der Bahnhofstraße eine Wahlversammlung der Deutschen Staatspartei statt. Die linksliberale Partei ist 1918 als Deutsche Demokratische Partei gegründet worden und hat sich stets zur Demokratie, zum Parlamentarismus und zur Weimarer Republik bekannt zu, ist mittlerweile aber zu einer absoluten Splitterpartei herabgesunken. Vorsitzender Frankenthaler Ortsgruppe, die nur noch wenige Mitglieder hat, ist der Angestellte Adam Kroll, nach 1945 Mitbegründer der Frankenthaler CDU und Beigeordneter.

Die KPD verteilt in der Stadt die hektographierte Zeitung "Roter Bote Frankenthal", in der sie gegen die NSDAP agitiert, aber auch die SPD mit den Nationalsozialisten gleichsetzt und sie als "Sozialfaschisten" und ihre Führer als "Bonzen" verunglimpft.

Die Zeitung "Roter Bote Frankenthal", die von der KPD in der Stadt verteilt wird.

19. Februar 1933

Heute greifen zum ersten Mal auch die bürgerlichen Parteien in den Wahlkampf ein, der bislang sehr stark von der NSDAP geprägt wird. In der Turnhalle am Foltzring veranstalten die beiden katholischen Parteien Zentrum und BVP eine Wahlversammlung mit dem ehemaligen Reichsarbeitsminister und ehemaligen preußischen Ministerpräsidenten Adam Stegerwald. Vor seinem Eintreffen spielt die Musikkapelle der katholischen Vereine unter Leitung von Taubstummenlehrer Karl Huther. Danach marschiert die Pfalzwacht ein und nimmt vor der Bühne Aufstellung. Die Wahl, so Stegerwald in seiner Rede, werde von Hitler und seinen Koalitionspartnern gegen Zentrum und BVP geführt, "weil man den politischen Katholizismus seiner Geltung berauben und ihn beiseiteschieben wolle". Die "Rechtsgruppen", die nun die Regierung bilden, führten einen "Klassenkampf von oben".

17. Februar 1933

Die Frankenthaler NSDAP will im Brauhauskeller eine öffentliche Wahlversammlung abhalten. Da sie – ähnlich wie der Aufmarsch zwei Tage zuvor – nicht angemeldet ist, verbietet sie die Polizei, lässt aber eine nichtöffentliche Mitgliederversammlung der Partei zu. An ihr nehmen 250 Personen teil. Zu Beginn der Versammlung wird die Rede Hitlers aus der Westfalenhalle in Dortmund übertragen. Danach ist der Redner des Abends, ein Lehrer namens Siebert aus Neustadt, an der Reihe. Er wiederholt, was in allen NSDAP-Versammlungen zu hören ist und spricht vom "Kampf gegen den Marxismus", vom "Verrat und der Schande der letzten 14 Jahre", vom "Endkampf ums Dritte Reich" und von der "Lüge der Völkerverständigung".

15. Februar 1933

80 bis 100 uniformierte SA-Männer marschieren am Abend durch die Stadt. Ausgangspunkt ist der Brauhauskeller, das Parteilokal der Frankenthaler NSDAP. Von dort geht es durch die Lambsheimer Straße, die Hannongstraße, die Goethestraße, die Flomersheimer Straße, die Speyerer Straße und die Bahnhofstraße wieder zurück zum Brauhauskeller. Der Zug ist nicht angemeldet, die Polizei schreitet aber trotzdem nicht ein, da die "nötigen Polizeikräfte" nicht zur Verfügung stehen und man eine Auseinandersetzung mit den SA-Männern scheut.

14. Februar 1933

Es schneit. In den Capitol-Lichtspielen in der Speyerer Straße 28 läuft "Tarzan. Der Herr des Urwalds". Ein "Abenteuer von atemberaubender Spannung" mit dem "Schwimmwunder Jonney (!) Weißmüller" als Tarzan, "Urwaldszenen von grandioser Schönheit" und "Tieraufnahmen, wie sie in gleicher Pracht noch nie gezeigt wurden". Als Vorfilm ist "Die musikalische Kiste" mit Dick und Doof zu sehen.

 Anzeige aus der "Frankenthaler Zeitung für den Film "Tarzan".

Anzeige aus der "Frankenthaler Zeitung" v. 14.2.1933

 

13. Februar 1933

Die "Frankenthaler Zeitung" veröffentlicht den Geschäftsbericht 1931/1932 der Frankenthaler Firma Kühnle, Kopp & Kausch (KKK). Darin heißt es: "Das 34. Geschäftsjahr hat im Verlauf der Wirtschaftskrise einen weiteren Rückgang des Umsatzes um rund ein Drittel gebracht (…) Die Handlungs- und Betriebsunkosten wurden um 274.000 RM herabgemindert, was leider einen weiteren Abbau von Beamten und Arbeitern unabwendbar machte."

Hintergrund

Am 1. Juli 1929 betrug die Zahl der Arbeitslosen und ihrer Angehörigen in Frankenthal 1.726. Von der städtischen Fürsorge wurden 743 Personen unterstützt. Nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Oktober 1929 verschärfte sich die Lage dramatisch. Am 1. Oktober 1930 lag die Zahl der Arbeitslosen und ihrer Angehörigen bereits bei 4.688, die der aus allgemeinen städtischen Mitteln unterstützten Personen bei 2.192. Insgesamt hatte Frankenthal 1930 26.439 Einwohner. Mehr als 26 Prozent von ihnen waren also auf Arbeitslosen- oder Fürsorgeunterstützung angewiesen.

 Arbeitslose vor der städtischen Fürsorgestelle im Horn'schen Haus am Marktplatz, dem heutigen Erkenbert-Museum.

Arbeitslose vor der städtischen Fürsorgestelle im Horn'schen Haus am Marktplatz, in dem sich heute das Erkenbert-Museum befindet.

 

12. Februar 1933, nachmittags

Die Eiserne Front marschiert vom VT-Heim, das sich damals an der Mörscher Straße befindet, durch die Straßen der Stadt zum Paradeplatz, dem heutigen Röntgenplatz, wo der Berliner Reichstagsabgeordnete und Sozialdemokrat Kurt Gäbler dann zu einer großen Menschenmenge spricht. Er fordert die Anwesenden zum "Kampf für die sozialen, politischen und kulturellen Rechte der arbeitenden Klasse" auf. Insgesamt besteht der Zug aus 1.200 Teilnehmern, 350 davon in Reichsbanneruniform. An den Straßen, die er passiert, stehen die Menschen dicht aneinander gedrängt. Immer wieder hört man den Ruf "Freiheit".

Aufmarsch der Eisernen Front auf dem Rathausplatz

Aufmarsch der Eisernen Front auf dem Marktplatz, dem heutigen Rathausplatz.

 

12. Februar 1933, vormittags

In der St. Dreifaltigkeitskirche weiht Dekan Philipp Haußner die neue Fahne der Pfalzwacht . In seiner Predigt weist Haußner auf die Verdienste der katholischen Kirche für Deutschland hin. Im Anschluss an die Weihe findet im Saal der Gaststätte "Zur Ax" in der Speyerer Straße eine "vaterländische Kundgebung" statt.

Die Pfalzwacht ist eine Wehrorganisation der beiden katholischen Parteien Zentrum und Bayerische Volkspartei (BVP). Sie wurde 1931 gegründet und soll die Veranstaltungen der beiden Parteien gegen Übergriffe politischer Gegner schützen.

Die katholische St. Dreifaltigkeitskirche am Marktplatz, heute Rathausplatz

St. Dreifaltigkeit am Marktplatz, heute Rathausplatz.

 

11. Februar 1933

In Flomersheim veranstaltet die SPD in der Gaststätte "Pfälzer Hof" eine öffentliche Ver-sammlung, an der circa 200 Personen teilnehmen. Einziger Redner ist der Ludwigshafener Sozialdemokrat Oskar Vongerichten. "Irgendwelche Störungen", so heißt es im Bericht der Polizei, "sind nicht vorgekommen".

Die von der Sozialistischen Arbeiterjugend Flomersheim geplante Veranstaltung mit der Revue-Gruppe "Roter Pfeil" aus Oppau muss ausfallen, da die Gruppe nicht rechtzeitig in Flomersheim eintrifft.

Schreiben der Sozialistischen Arbeiterjugend Flomersheim

10. Februar 1933

Eine öffentliche Erwerbslosenversammlung, die im Nebenzimmer der Gaststätte "Zur Insel" in der Turnhallstraße stattfinden soll, wird verboten. "Die geplante Versammlung", so heißt es in der Begründung, "hat zweifellos politischen und vorwiegend kommunistischen Charakter". Sie stelle eine "Gefahr für die öffentliche Sicherheit" dar. Die Veranstalter versuchten, die Erwerbslosen "zu einer Masse zusammen zu bringen, um anschließend eine Demonstration veranstalten zu können".

Genehmigt wird dagegen ein Aufmarsch der Eisernen Front durch Mörsch. Der Zug endet am Stephansplatz, wo der Mutterstadter Sozialdemokrat Fritz Schalk über die schon bald bevorstehenden Wahlen spricht.

Hintergrund:

Die "Eiserne Front" ist ein Zusammenschluss von SPD, Gewerkschaften, "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" und Arbeiter-Turn- und Sportvereinen zum Kampf gegen den Nationalsozialismus. Das "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" war 1925 von der SPD, der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP), die sich mittlerweile in Staatspartei umbenannt hatte, und der katholischen Zentrumspartei als Kampfverband zum Schutz der Republik gegründet worden, bestand aber seit Ende der zwanziger Jahre fast ausschließlich aus Sozialdemokraten, nachdem die DDP zu einer unbedeutenden Splitterpartei herabgesunken war und sich das Zentrum weitgehend zurückgezogen hatte.

 

Das Frankenthaler Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, eine Wehrorganisation zum Schutz der Republik

Das Frankenthaler Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold.

 

 9. Februar 1933

Der Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand, eine Organisation der NSDAP, veranstaltet eine Wahlversammlung. Es ist die dritte große nationalsozialistische Versammlung innerhalb einer Woche. Nach den Arbeitern am 3. Februar und den Frauen am 7. Februar werden nun ganz gezielt mittelständische Handwerker und Händler angesprochen. Der Tenor ist immer der gleiche: "Deutschland muss frei werden vom Marxismus" und die "Volksgemeinschaft muss zur Tat werden", so der Redner des Abends, der Frankenthaler Lehrer Wilhelm Bösing.

 7. Februar 1933

Der Wahlkampf kommt langsam auf Touren. Im Brauhauskeller findet eine Frauen-versammlung der NSDAP mit dem Titel "Die deutsche Frau und der Nationalsozialismus" statt. Referentin ist eine Frau Dr. Auerhahn aus Heidelberg. Sie polemisiert wie gewohnt gegen die Republik und die Demokratie, spricht von "13 Jahren ungeheurer Not" und fordert die "Herausnahme der Frau aus dem Beruf". Die Frau solle "gleichwertig" neben dem Mann stehen, aber nicht "gleichberechtigt". Ihre Aufgabe sei es in erster Linie, "die in den letzten 13 Jahren systematisch zerstörte Ehe wieder zur Keimzelle des Staates zu machen". In der Mode müssten die "kulturzerstörenden Auswüchse" beseitigt werden. Und schließlich: Es zeuge von der "Verkommenheit" vieler Frauen, wenn für 12 Millionen Mark Lippenstifte nach Deutschland eingeführt würden, "damit diese Frauen sich ein schönes Gesicht anmalen könnten."

 5. Februar 1933

Trotz der politischen und wirtschaftlichen Krise geht das Leben in Frankenthal zunächst in gewohnten Bahnen weiter - zumindest für jene, die es sich noch leisten konnten. Die vielen Arbeitslosen werden wohl weder die Kappensitzung im Braushauskeller noch das Kappenfest in Bahnhofhotel besucht haben.

 Anzeigen aus der Frankenthaler Zeitung vom 4. März 1933

 Anzeigen aus der "Frankenthaler Zeitung"  v. 4. Februar 1933.

 

3. Februar 1933

Versammlung der Nationalsozialistischen Betriebszellen-Organisation (NSBO), einer Nebenorganisation der NSDAP, in der Turnhalle am Foltzring, dem späteren Feierabendhaus. Der Referent, ein Nationalsozialist aus Kaiserslautern, spricht großspurig über die "Gesundung der Nation". Die Sozialdemokraten, so glaubt er zu wissen, hätten das Volk nur "ausgeplündert". "Wir wollen", so sein Fazit, "dass diese Volksverderber gehängt werden". "Reinheit, Sauberkeit und Ordnung sollen die Kennzeichen des neuen Staates sein". Na ja.

Die Turnhalle der Frankenthaler Turnergesellschaft, das spätere Feierabendhaus

Turnhalle der Frankenthaler Turnergesellschaft am Foltzring, das spätere Feierabendhaus.

 

 2. Februar 1933

Die Frankenthaler Zeitungen melden die Auflösung des Reichstages durch den Reichspräsidenten, die dieser auf Wunsch Hitlers verfügt hat. Als Termin für die Neuwahl wird der 5. März 1933 bestimmt.

 1. Februar 1933

Appell der Frankenthaler Ortsgruppe des Stahlhelm, eines rechtsradikalen, paramilitärisch organisierten Wehrverbandes, im "Münchner Kindl". Ortsgruppenführer ist der Studienrat und Künstler Martin Jais. Allgemeiner Tenor: Deutschland müsse sich durch "Kampf und Opfer" von der "Schande" des Versailler Vertrages befreien. Jais ist heute noch ein angesehener Künstler in Frankenthal. Seine rechtsradikale Vergangenheit wird meist verschwiegen! Er ist, wie wir noch sehen werden, allerdings nicht der einzige Frankenthaler Künstler, der 1933 bereitwillig mit den Nationalsozialisten zusammenarbeitet.

Stahlhelm-Aufmarsch in der Wormser Straße.

Stahlhelm-Aufmarsch in der Wormser Straße.

 31. Januar 1933

Die "Frankenthaler Zeitung" und das "Frankenthaler Tageblatt" berichten über die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, ohne allerdings selbst zu kommentieren.

 

29. Januar 1933

Demonstrationszug von über 2.500 SA- und SS-Mitgliedern sowie Angehörigen der Hitler-Jugend aus Frankenthal, Ludwigshafen und Worms durch die Straßen der Stadt. Am Marktplatz, dem heutigen Rathausplatz, marschieren sie am pfälzischen Gauleiter Josef Bürckel (im Auto) vorbei. Der Aufmarsch, so berichtet die "Frankenthaler Zeitung", hat eine große Menschenmenge, "auch von auswärts", angelockt.

 

 Aufmarsch der NSDAP auf dem Frankenthaler Marktplatz. Im Auto der pfälzische Gauleiter Josef Bürckel.

 

 

 

 

 

 

 
 

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