Hillgärtner, Georg Adam

Das Bild zeigt Georg Hillgärtner. Ein alter Mann mit Vollbart in der Kleidung des 19. Jahrhunderts.*24.03.1822 Frankenthal
+23.10.1865 USA, 1848/49 Rechtskandidat, später Advokat und Redakteur.
Vater: Johann Peter H., Bäckermeister, Mutter: Juliana Sibilla, geb. Traupel.

Georg H. stammte aus einer alten liberalen Frankenthaler Familie. Sein Vater Peter H. gehörte 1832 zu den Gründern des Press- und Vaterlandsvereins in Frankenthal und war lange Jahre Mitglied des Frankenthaler Stadtrates. Im Mai 1832 verteilte er in den Frankenthaler Gaststätten "geheime" Einladungen für das Hambacher Fest.

Georg H., der trotz seiner kleinbürgerlichen Herkunft die Möglichkeit erhielt, Jura zu studieren, wandte sich der liberal-demokratischen Opposition nach der Märzrevolution von 1848 zu. Er war Mitglied im Volksverein und im Demokratischen Verein von Frankenthal, wurde in den Geschäftsführenden Ausschuss des Volksvereins gewählt und arbeitete zeitweise als Redakteur im "Volksvereinsblatt ", dem offiziellen Organ des Vereins, mit. Sein Name stand auch unter dem Aufruf, mit dem der Volksverein am 27. April 1849 zu den großen Volksversammlungen in Kaiserslautern am 1. und 2. Mai einlud.

Nach Ausbruch der Reichsverfassungskampagne in der Pfalz wurde H. in den Kantonalausschuss des Kantons Frankenthal gewählt und zum Zivilkommissar ernannt. Er war außerdem Offizier der revolutionären Volkswehr und nahm an den beiden Freischarenzügen nach Worms und Ludwigshafen teil. Im Auftrag der am 16. Mai 1849 in Kaiserslautern gebildeten provisorischen Regierung ließ er in den Gemeinden der Kantone Frankenthal und Grünstadt Geld, Waffen, Pferde und Lebensmittel für die Volkswehr beschlagnahmen, die staatlichen Beamten auf die Verfassung vereidigen und zahlreiche konservative Kritiker der revolutionären Bewegung u. a. den Eppsteiner Pfarrer Sitzmann  in Haft nehmen. Seine politischen Gegner warfen ihm später vor, er sei "einer der tätigsten und gefährlichsten Demagogen" gewesen, habe "die ganze Stadt terrorisiert" und "jedermann in Schrecken versetzt" und sei "sehr hart und streng zu Werk gegangen". Es sei nicht möglich gewesen, sich "ohne Gefahr für Freiheit und Vermögen (!) zu widersetzen". Von zahlreichen Frankenthaler Arbeitern und Kleinbürgern, die von der Revolution nicht nur eine Veränderung der politischen Strukturen, sondern auch eine Verbesserung ihrer sozialen Lage erwarteten, wurde H. dagegen vorbehaltlos unterstützt.

Was für das Frankenthaler Wirtschaftsbürgertum, die reichen Bauern der umliegenden Dörfern und die gemäßigten Liberalen, "terroristisches Auftreten" war, war in ihren Augen die notwendige Voraussetzung für den Sieg der Revolution. Wie groß H.'s Ansehen in Frankenthal war, zeigte sich noch im Mai 1851, als in der Stadt heimlich Geld für ihn gesammelt wurde und innerhalb einer Woche 300 Gulden zusammenkamen. Zu diesem Zeitpunkt lebte H. bereits seit zwei Jahren im Exil. Wenige Stunden bevor die Preußen am 13. Juni 1849 in Frankenthal einmarschierten, war er nach Baden geflohen. Zuvor hatte er noch einige angesehene Frankenthaler Bürger unter ihnen den Arzt Dr. Brettinger, den Handelsmann Heinrich Mattil und Dekan Zöller verhaften und als Geiseln nach Dürkheim transportieren lassen.

Nach dem Ende des badisch-pfälzischen Aufstandes emigrierte H. gemeinsam mit seinem Vater zunächst in die Schweiz, übersiedelte im Winter 1851 nach London, wo er Mitglied des "Deutschen Emigrationsvereins" wurde, der Gelder für eine neue Revolution in Deutschland sammelte, und wanderte schließlich 1852 in die Vereinigten Staaten aus. Dort lebte er zunächst einige Monate in New York und in Dubuque, Iowa, bevor er sich 1854 in St. Louis niederließ, wo er als Redakteur der Illinois-Staatszeitung" seinen Lebensunterhalt verdiente. H. starb am 23.10.1865.



L.: Albert E. Zucker, The Forty-.Eighteres. Politische Refugees of the German Revolution of 1848, Nw York 1950, S. 305;
Gustav Koerner, Das deutsche Element in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 1818 ? 1848, Cincinnati 1880 S. 278; Berühmte deutsche Vorkämpfer für Fortschritt, Freiheit und Friede in Nordamerika, Cleveland/Ohio 1904 S. 318;
Der Deutsche Pionier XIV, S. 468 - 470;
Gerhard Nestler, Radikale und Konstitutionelle in Frankenthal, in: Schon pflanzen sie frech die Freiheitsbäume. 150 Jahre Hambacher Fest, hrsg. V. Willi Rothley und Manfred Geis, Neustadt/W. 1982, S. 129 ? 148.



O.: LASp, Best. H 1, Nr. 1976; Best. J 1, Nr. 105 II, 156;
StA Frankenthal, Best. II, Nr. 21, 24 b; Best. VII/5, Nr. 57, 62;
Bundesarchiv Bern, Best. E 21, Nr. 155 ? 157, 200 B, 213 ? 219, 221, 274;
Archiv des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde Kaiserslautern, Auswandererkartei.
 
 

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