Porzellangalerie

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Figuren aus der griechischen und römischen Mythologie wurden während des gesamten Bestehens der Frankenthaler Manufaktur hergestellt, und zwar nicht nur aus bereits bestehenden Formen, sondern von den verschiedenen Modellmeistern auch neu geschaffen, wie diese Gruppe "Bacchus mit Putto und Satyrkind" von Johann Peter Melchior. Anscheinend bestand eine große Nachfrage nach der antiken Götterwelt, die auch in der übrigen bildenden Kunst der Zeit immer wieder thematisiert wurde: Kein gepflegter Haushalt ohne Götter, könnte man sagen. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Figuren aus der griechischen und römischen Mythologie wurden während des gesamten Bestehens der Frankenthaler Manufaktur hergestellt, und zwar nicht nur aus bereits bestehenden Formen, sondern von den verschiedenen Modellmeistern auch neu geschaffen, wie diese Gruppe "Bacchus mit Putto und Satyrkind" von Johann Peter Melchior. Anscheinend bestand eine große Nachfrage nach der antiken Götterwelt, die auch in der übrigen bildenden Kunst der Zeit immer wieder thematisiert wurde: Kein gepflegter Haushalt ohne Götter, könnte man sagen. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Figuren aus der griechischen und römischen Mythologie wurden während des gesamten Bestehens der Frankenthaler Manufaktur hergestellt, und zwar nicht nur aus bereits bestehenden Formen, sondern von den verschiedenen Modellmeistern auch neu geschaffen, wie diese Gruppe "Bacchus mit Putto und Satyrkind" von Johann Peter Melchior. Anscheinend bestand eine große Nachfrage nach der antiken Götterwelt, die auch in der übrigen bildenden Kunst der Zeit immer wieder thematisiert wurde: Kein gepflegter Haushalt ohne Götter, könnte man sagen. (Dr. Edgar J. Hürkey)
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Bei der Darstellung asiatischer Motive - den Chinoiserien - begegnen wir der damals in Europa vorherrschenden Meinung, das Leben im fernen China oder Japan sei heiter, sorglos und unkonventionell und damit eine erstrebenswerte Alternative zum Gesellschaftsleben der westlichen Welt. Keiner der Modelleure und Porzellanmaler war allerdings jemals in China gewesen, so dass man sich bei der Motivwahl auf illustrierte Reiseberichte stützen musste. Die Gartenszene mit dem jungen Mann im Pavillon ist dafür ein schönes Beispiel, modelliert von K. G. Lück. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Bei der Darstellung asiatischer Motive - den Chinoiserien - begegnen wir der damals in Europa vorherrschenden Meinung, das Leben im fernen China oder Japan sei heiter, sorglos und unkonventionell und damit eine erstrebenswerte Alternative zum Gesellschaftsleben der westlichen Welt. Keiner der Modelleure und Porzellanmaler war allerdings jemals in China gewesen, so dass man sich bei der Motivwahl auf illustrierte Reiseberichte stützen musste. Die Gartenszene mit dem jungen Mann im Pavillon ist dafür ein schönes Beispiel, modelliert von K. G. Lück. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Bei der Darstellung asiatischer Motive - den Chinoiserien - begegnen wir der damals in Europa vorherrschenden Meinung, das Leben im fernen China oder Japan sei heiter, sorglos und unkonventionell und damit eine erstrebenswerte Alternative zum Gesellschaftsleben der westlichen Welt. Keiner der Modelleure und Porzellanmaler war allerdings jemals in China gewesen, so dass man sich bei der Motivwahl auf illustrierte Reiseberichte stützen musste. Die Gartenszene mit dem jungen Mann im Pavillon ist dafür ein schönes Beispiel, modelliert von K. G. Lück. (Dr. Edgar J. Hürkey)
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Die Erinnerung an die Herkunft des Porzellans aus Asien ist bis heute nicht verblaßt und zeigt sich in vielen Formen und Dekoren. Dazu gehören die Strohblumen ("Zwiebelmuster") und die Riefelung ("gebrochener Stab"), wie sie die abgebildete Zuckerdose zeigt. Im Frankenthaler Preisverzeichnis von 1777 gibt es dazu eine eigene Abteilung "Blaue Waaren, glatt und gerippt. Mit gemeinen Indianischen Blumen", wobei indianisch, chinesisch und japanisch bunt durcheinander gewürfelt wurde, es lag ja alles irgendwo in unendlicher Ferne. Für ein Service dieser Art für 12 Personen mußte ein Handwerksgeselle gut 15 Tage und mehr arbeiten. Mit bunten Figuren bemalt und mit Vergoldungen kostete ein Service allerings das Fünfzehnfache.
Die Erinnerung an die Herkunft des Porzellans aus Asien ist bis heute nicht verblaßt und zeigt sich in vielen Formen und Dekoren. Dazu gehören die Strohblumen ("Zwiebelmuster") und die Riefelung ("gebrochener Stab"), wie sie die abgebildete Zuckerdose zeigt. Im Frankenthaler Preisverzeichnis von 1777 gibt es dazu eine eigene Abteilung "Blaue Waaren, glatt und gerippt. Mit gemeinen Indianischen Blumen", wobei indianisch, chinesisch und japanisch bunt durcheinander gewürfelt wurde, es lag ja alles irgendwo in unendlicher Ferne. Für ein Service dieser Art für 12 Personen mußte ein Handwerksgeselle gut 15 Tage und mehr arbeiten. Mit bunten Figuren bemalt und mit Vergoldungen kostete ein Service allerings das Fünfzehnfache.
Die Erinnerung an die Herkunft des Porzellans aus Asien ist bis heute nicht verblaßt und zeigt sich in vielen Formen und Dekoren. Dazu gehören die Strohblumen ("Zwiebelmuster") und die Riefelung ("gebrochener Stab"), wie sie die abgebildete Zuckerdose zeigt. Im Frankenthaler Preisverzeichnis von 1777 gibt es dazu eine eigene Abteilung "Blaue Waaren, glatt und gerippt. Mit gemeinen Indianischen Blumen", wobei indianisch, chinesisch und japanisch bunt durcheinander gewürfelt wurde, es lag ja alles irgendwo in unendlicher Ferne. Für ein Service dieser Art für 12 Personen mußte ein Handwerksgeselle gut 15 Tage und mehr arbeiten. Mit bunten Figuren bemalt und mit Vergoldungen kostete ein Service allerings das Fünfzehnfache.
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Eine Szene der "feinen Gesellschaft". Der im 17. Jahrhundert in Mode gekommene Genuß exotischer Getränke hat die Nachfrage nach Porzellan enorm gesteigert, und die Einführung von Kaffeehäusern als Stätten kultivierter Begegnung förderte wiederum den Verbrauch dieser Getränke: man war auf den Geschmack gekommen. Joh. Friedrich Lück hat auf gekonnte Weise den fünf Sinnen, in unserem Beispiel dem Geschmack, Gestalt verliehen, so dass dies eine wunderbare Ergänzung zur Arbeit von J. W. Lanz darstellt, der häufig das Leben des einfachen Volkes in Porzellan festhielt. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Eine Szene der "feinen Gesellschaft". Der im 17. Jahrhundert in Mode gekommene Genuß exotischer Getränke hat die Nachfrage nach Porzellan enorm gesteigert, und die Einführung von Kaffeehäusern als Stätten kultivierter Begegnung förderte wiederum den Verbrauch dieser Getränke: man war auf den Geschmack gekommen. Joh. Friedrich Lück hat auf gekonnte Weise den fünf Sinnen, in unserem Beispiel dem Geschmack, Gestalt verliehen, so dass dies eine wunderbare Ergänzung zur Arbeit von J. W. Lanz darstellt, der häufig das Leben des einfachen Volkes in Porzellan festhielt. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Eine Szene der "feinen Gesellschaft". Der im 17. Jahrhundert in Mode gekommene Genuß exotischer Getränke hat die Nachfrage nach Porzellan enorm gesteigert, und die Einführung von Kaffeehäusern als Stätten kultivierter Begegnung förderte wiederum den Verbrauch dieser Getränke: man war auf den Geschmack gekommen. Joh. Friedrich Lück hat auf gekonnte Weise den fünf Sinnen, in unserem Beispiel dem Geschmack, Gestalt verliehen, so dass dies eine wunderbare Ergänzung zur Arbeit von J. W. Lanz darstellt, der häufig das Leben des einfachen Volkes in Porzellan festhielt. (Dr. Edgar J. Hürkey)
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Die Jagd war ein Privileg des Adels und zählte zu den wichtigsten "Lustbarkeiten" bei Herren von Stand, aber auch Damen nahmen an Jagdpartien teil. Die anwohnenden Bauern, Tagelöhner und das einfachere Personal assistierten als Treiber und sonstige Hilfskräfte. Bei der Bedeutung dieser Beschäftigung ist es verständlich, dass sie auch als Thema einer Tafelausstattung behandelt wurde. Jagdbezogene Figuren oder Gruppen verzierten so manche festliche Tafel, an der das zur Strecke gebrachte Wildbret verzehrt wurde, nachdem es zunächst als Augenschmaus auf die Tafel komponiert worden war. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Die Jagd war ein Privileg des Adels und zählte zu den wichtigsten "Lustbarkeiten" bei Herren von Stand, aber auch Damen nahmen an Jagdpartien teil. Die anwohnenden Bauern, Tagelöhner und das einfachere Personal assistierten als Treiber und sonstige Hilfskräfte. Bei der Bedeutung dieser Beschäftigung ist es verständlich, dass sie auch als Thema einer Tafelausstattung behandelt wurde. Jagdbezogene Figuren oder Gruppen verzierten so manche festliche Tafel, an der das zur Strecke gebrachte Wildbret verzehrt wurde, nachdem es zunächst als Augenschmaus auf die Tafel komponiert worden war. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Die Jagd war ein Privileg des Adels und zählte zu den wichtigsten "Lustbarkeiten" bei Herren von Stand, aber auch Damen nahmen an Jagdpartien teil. Die anwohnenden Bauern, Tagelöhner und das einfachere Personal assistierten als Treiber und sonstige Hilfskräfte. Bei der Bedeutung dieser Beschäftigung ist es verständlich, dass sie auch als Thema einer Tafelausstattung behandelt wurde. Jagdbezogene Figuren oder Gruppen verzierten so manche festliche Tafel, an der das zur Strecke gebrachte Wildbret verzehrt wurde, nachdem es zunächst als Augenschmaus auf die Tafel komponiert worden war. (Dr. Edgar J. Hürkey)
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Die schimmernde, weiß und gold blitzende oder bunt leuchtende Porzellanwelt ist ein perfektes Spiegelbild der real gelebten Welt des 18. Jahrhunderts in Europa, wenn auch, wie bei einem Spiegel möglich, bestimmte Dinge unscharf oder verzerrt wiedergegeben werden. Dies zeigen auch die vielfach kostümierten Standespersonen, die, wie in unserem Bespiel, die Schäferei nur spielten und romantisch verklärten. Schäferspiele in künstlichen Dörfchen mit Musik und bukolischer Dichtung waren Zeitvertreib der obersten Gesellschaft. Es ist die ironische, amüsierte Sicht, die der Haltung der gehobenen Käuferschicht dieses Porzellans solchem profanen Geschehen gegenüber entspricht . (Dr. Edgar J. Hürkey)
Die schimmernde, weiß und gold blitzende oder bunt leuchtende Porzellanwelt ist ein perfektes Spiegelbild der real gelebten Welt des 18. Jahrhunderts in Europa, wenn auch, wie bei einem Spiegel möglich, bestimmte Dinge unscharf oder verzerrt wiedergegeben werden. Dies zeigen auch die vielfach kostümierten Standespersonen, die, wie in unserem Bespiel, die Schäferei nur spielten und romantisch verklärten. Schäferspiele in künstlichen Dörfchen mit Musik und bukolischer Dichtung waren Zeitvertreib der obersten Gesellschaft. Es ist die ironische, amüsierte Sicht, die der Haltung der gehobenen Käuferschicht dieses Porzellans solchem profanen Geschehen gegenüber entspricht . (Dr. Edgar J. Hürkey)
Die schimmernde, weiß und gold blitzende oder bunt leuchtende Porzellanwelt ist ein perfektes Spiegelbild der real gelebten Welt des 18. Jahrhunderts in Europa, wenn auch, wie bei einem Spiegel möglich, bestimmte Dinge unscharf oder verzerrt wiedergegeben werden. Dies zeigen auch die vielfach kostümierten Standespersonen, die, wie in unserem Bespiel, die Schäferei nur spielten und romantisch verklärten. Schäferspiele in künstlichen Dörfchen mit Musik und bukolischer Dichtung waren Zeitvertreib der obersten Gesellschaft. Es ist die ironische, amüsierte Sicht, die der Haltung der gehobenen Käuferschicht dieses Porzellans solchem profanen Geschehen gegenüber entspricht . (Dr. Edgar J. Hürkey)
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Neben figürlichem Porzellan und Tafelgeschirr spielte Porzellan zunehmend eine Rolle als Allzweckmaterial, so daß auch in der Frankenthaler Manufaktur Stockgriffe, Tabaksdosen, Fingerhüte, Nadelbüchschen, Knöpfe, Blümchen und Löffel, aber auch Apothekergefäße wie das abgebildete Beispiel in den unterschiedlichsten Formaten hergestellt wurden. Die Vorteile dieses Stoffes, der keinen Geschmack oder Geruch annimmt und abgibt, machten ihn immer unentbehrlicher. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Neben figürlichem Porzellan und Tafelgeschirr spielte Porzellan zunehmend eine Rolle als Allzweckmaterial, so daß auch in der Frankenthaler Manufaktur Stockgriffe, Tabaksdosen, Fingerhüte, Nadelbüchschen, Knöpfe, Blümchen und Löffel, aber auch Apothekergefäße wie das abgebildete Beispiel in den unterschiedlichsten Formaten hergestellt wurden. Die Vorteile dieses Stoffes, der keinen Geschmack oder Geruch annimmt und abgibt, machten ihn immer unentbehrlicher. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Neben figürlichem Porzellan und Tafelgeschirr spielte Porzellan zunehmend eine Rolle als Allzweckmaterial, so daß auch in der Frankenthaler Manufaktur Stockgriffe, Tabaksdosen, Fingerhüte, Nadelbüchschen, Knöpfe, Blümchen und Löffel, aber auch Apothekergefäße wie das abgebildete Beispiel in den unterschiedlichsten Formaten hergestellt wurden. Die Vorteile dieses Stoffes, der keinen Geschmack oder Geruch annimmt und abgibt, machten ihn immer unentbehrlicher. (Dr. Edgar J. Hürkey)
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Der Alltag der einfachen, meist armen Leute fand entweder mit einer romantischen Verklärung oder einem Augenzwinkern Eingang in die Porzellanwelt. Die damit verbundene körperliche Anstrengung blieb der Käuferschicht des Porzellans meist fremd. Der kleine Kerl in seiner abgerissenen Kleidung schleppt einen Guckkasten auf dem Buckel, mit dem er sich auf einer Kirchweih oder einem Markt etwas Geld zu verdienen erhofft. Seine Flügelchen verraten ihn aber als Amor, der mit seinem Guckkasten vielleicht Verliebte in die schönste Zukunft schauen läßt. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Der Alltag der einfachen, meist armen Leute fand entweder mit einer romantischen Verklärung oder einem Augenzwinkern Eingang in die Porzellanwelt. Die damit verbundene körperliche Anstrengung blieb der Käuferschicht des Porzellans meist fremd. Der kleine Kerl in seiner abgerissenen Kleidung schleppt einen Guckkasten auf dem Buckel, mit dem er sich auf einer Kirchweih oder einem Markt etwas Geld zu verdienen erhofft. Seine Flügelchen verraten ihn aber als Amor, der mit seinem Guckkasten vielleicht Verliebte in die schönste Zukunft schauen läßt. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Der Alltag der einfachen, meist armen Leute fand entweder mit einer romantischen Verklärung oder einem Augenzwinkern Eingang in die Porzellanwelt. Die damit verbundene körperliche Anstrengung blieb der Käuferschicht des Porzellans meist fremd. Der kleine Kerl in seiner abgerissenen Kleidung schleppt einen Guckkasten auf dem Buckel, mit dem er sich auf einer Kirchweih oder einem Markt etwas Geld zu verdienen erhofft. Seine Flügelchen verraten ihn aber als Amor, der mit seinem Guckkasten vielleicht Verliebte in die schönste Zukunft schauen läßt. (Dr. Edgar J. Hürkey)
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Ovale Medaillons auf dieser Zuckerdose sind mit Szenen aus dem bäuerlichen Leben gefüllt. Die Nähe zu niederländischer Genremalerei ist unverkennbar. Landleben wird hier zum Idyll hochstilisiert. Ähnlich wie bei den Chinoiserien - also Themen und Dekoren aus China und Japan - erscheint das Leben des einfachen Volkes als eine Art heile, unverdorbene Welt. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Ovale Medaillons auf dieser Zuckerdose sind mit Szenen aus dem bäuerlichen Leben gefüllt. Die Nähe zu niederländischer Genremalerei ist unverkennbar. Landleben wird hier zum Idyll hochstilisiert. Ähnlich wie bei den Chinoiserien - also Themen und Dekoren aus China und Japan - erscheint das Leben des einfachen Volkes als eine Art heile, unverdorbene Welt. (Dr. Edgar J. Hürkey)
Ovale Medaillons auf dieser Zuckerdose sind mit Szenen aus dem bäuerlichen Leben gefüllt. Die Nähe zu niederländischer Genremalerei ist unverkennbar. Landleben wird hier zum Idyll hochstilisiert. Ähnlich wie bei den Chinoiserien - also Themen und Dekoren aus China und Japan - erscheint das Leben des einfachen Volkes als eine Art heile, unverdorbene Welt. (Dr. Edgar J. Hürkey)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
     
     
     
 
 

  • Figuren aus der griechischen und römischen Mythologie wurden während des gesamten Bestehens der Frankenthaler Manufaktur hergestellt, und zwar nicht nur aus bereits bestehenden Formen, sondern von den verschiedenen Modellmeistern auch neu geschaffen, wie diese Gruppe "Bacchus mit Putto und Satyrkind" von Johann Peter Melchior. Anscheinend bestand eine große Nachfrage nach der antiken Götterwelt, die auch in der übrigen bildenden Kunst der Zeit immer wieder thematisiert wurde: Kein gepflegter Haushalt ohne Götter, könnte man sagen. (Dr. Edgar J. Hürkey)

  • Bei der Darstellung asiatischer Motive - den Chinoiserien - begegnen wir der damals in Europa vorherrschenden Meinung, das Leben im fernen China oder Japan sei heiter, sorglos und unkonventionell und damit eine erstrebenswerte Alternative zum Gesellschaftsleben der westlichen Welt. Keiner der Modelleure und Porzellanmaler war allerdings jemals in China gewesen, so dass man sich bei der Motivwahl auf illustrierte Reiseberichte stützen musste. Die Gartenszene mit dem jungen Mann im Pavillon ist dafür ein schönes Beispiel, modelliert von K. G. Lück. (Dr. Edgar J. Hürkey)

  • Die Erinnerung an die Herkunft des Porzellans aus Asien ist bis heute nicht verblaßt und zeigt sich in vielen Formen und Dekoren. Dazu gehören die Strohblumen ("Zwiebelmuster") und die Riefelung ("gebrochener Stab"), wie sie die abgebildete Zuckerdose zeigt. Im Frankenthaler Preisverzeichnis von 1777 gibt es dazu eine eigene Abteilung "Blaue Waaren, glatt und gerippt. Mit gemeinen Indianischen Blumen", wobei indianisch, chinesisch und japanisch bunt durcheinander gewürfelt wurde, es lag ja alles irgendwo in unendlicher Ferne. Für ein Service dieser Art für 12 Personen mußte ein Handwerksgeselle gut 15 Tage und mehr arbeiten. Mit bunten Figuren bemalt und mit Vergoldungen kostete ein Service allerings das Fünfzehnfache.

  • Eine Szene der "feinen Gesellschaft". Der im 17. Jahrhundert in Mode gekommene Genuß exotischer Getränke hat die Nachfrage nach Porzellan enorm gesteigert, und die Einführung von Kaffeehäusern als Stätten kultivierter Begegnung förderte wiederum den Verbrauch dieser Getränke: man war auf den Geschmack gekommen. Joh. Friedrich Lück hat auf gekonnte Weise den fünf Sinnen, in unserem Beispiel dem Geschmack, Gestalt verliehen, so dass dies eine wunderbare Ergänzung zur Arbeit von J. W. Lanz darstellt, der häufig das Leben des einfachen Volkes in Porzellan festhielt. (Dr. Edgar J. Hürkey)

  • Die Jagd war ein Privileg des Adels und zählte zu den wichtigsten "Lustbarkeiten" bei Herren von Stand, aber auch Damen nahmen an Jagdpartien teil. Die anwohnenden Bauern, Tagelöhner und das einfachere Personal assistierten als Treiber und sonstige Hilfskräfte. Bei der Bedeutung dieser Beschäftigung ist es verständlich, dass sie auch als Thema einer Tafelausstattung behandelt wurde. Jagdbezogene Figuren oder Gruppen verzierten so manche festliche Tafel, an der das zur Strecke gebrachte Wildbret verzehrt wurde, nachdem es zunächst als Augenschmaus auf die Tafel komponiert worden war. (Dr. Edgar J. Hürkey)

  • Die schimmernde, weiß und gold blitzende oder bunt leuchtende Porzellanwelt ist ein perfektes Spiegelbild der real gelebten Welt des 18. Jahrhunderts in Europa, wenn auch, wie bei einem Spiegel möglich, bestimmte Dinge unscharf oder verzerrt wiedergegeben werden. Dies zeigen auch die vielfach kostümierten Standespersonen, die, wie in unserem Bespiel, die Schäferei nur spielten und romantisch verklärten. Schäferspiele in künstlichen Dörfchen mit Musik und bukolischer Dichtung waren Zeitvertreib der obersten Gesellschaft. Es ist die ironische, amüsierte Sicht, die der Haltung der gehobenen Käuferschicht dieses Porzellans solchem profanen Geschehen gegenüber entspricht . (Dr. Edgar J. Hürkey)

  • Neben figürlichem Porzellan und Tafelgeschirr spielte Porzellan zunehmend eine Rolle als Allzweckmaterial, so daß auch in der Frankenthaler Manufaktur Stockgriffe, Tabaksdosen, Fingerhüte, Nadelbüchschen, Knöpfe, Blümchen und Löffel, aber auch Apothekergefäße wie das abgebildete Beispiel in den unterschiedlichsten Formaten hergestellt wurden. Die Vorteile dieses Stoffes, der keinen Geschmack oder Geruch annimmt und abgibt, machten ihn immer unentbehrlicher. (Dr. Edgar J. Hürkey)

  • Der Alltag der einfachen, meist armen Leute fand entweder mit einer romantischen Verklärung oder einem Augenzwinkern Eingang in die Porzellanwelt. Die damit verbundene körperliche Anstrengung blieb der Käuferschicht des Porzellans meist fremd. Der kleine Kerl in seiner abgerissenen Kleidung schleppt einen Guckkasten auf dem Buckel, mit dem er sich auf einer Kirchweih oder einem Markt etwas Geld zu verdienen erhofft. Seine Flügelchen verraten ihn aber als Amor, der mit seinem Guckkasten vielleicht Verliebte in die schönste Zukunft schauen läßt. (Dr. Edgar J. Hürkey)

  • Ovale Medaillons auf dieser Zuckerdose sind mit Szenen aus dem bäuerlichen Leben gefüllt. Die Nähe zu niederländischer Genremalerei ist unverkennbar. Landleben wird hier zum Idyll hochstilisiert. Ähnlich wie bei den Chinoiserien - also Themen und Dekoren aus China und Japan - erscheint das Leben des einfachen Volkes als eine Art heile, unverdorbene Welt. (Dr. Edgar J. Hürkey)