Geschichte

Aufstieg und Fall des weißen Goldes in Frankenthal. Ein Einblick in 45 Jahre Manufakturgeschichte.

 

Glanzvoller Auftakt

Der Keramikfabrikant Paul Anton Hannong hatte um 1748 das Arkanum (Geheimwissen) zur Porzellanherstellung erlangt und stellte ab 1751 neben seinen Fayencen in Straßburg und Hagenau erstes Hartporzellan her. Da die königlich-französische Porzellanmanufaktur selbst nur Weichporzellan (sogenanntes Frittenporzellan ohne Kaolin) herstellen konnte, war eine Konkurrenz unerwünscht und so musste Hannong im Februar 1754 seine Produktion einstellen.

Eine neue Manufaktur konnte der Fabrikant ausschließlich im Ausland aufbauen und so wandte sich Hannong an Kurfürsten Carl Theodor. Dieser erteilte ihm per Vertrag vom 26. Mai 1755 die Zustimmung zur Errichtung einer Fabrik in Frankenthal. Leiter wurde Hannongs ältester Sohn Karl, der jüngere Bruder Peter arbeitete als Gehilfe und als Modelleur stand
Johann Wilhelm Lanz für die Manufaktur ein. Bereits im November konnte Carl Theodor dem sächsischen Gesandten am Mannheimer Hofe feinstes kurpfälzisches Porzellan vorstellen. Im Dezember erhielt Paul Hannong den Titel eines kurpfälzischen Kommerzienrates, zum Jahresbeginn 1756 wurde auch seinem Sohn Karl diese Ehre zuteil.

Als Karl Hannong am 29. Juli 1757 verstarb, übernahm sein Bruder Joseph Adam die Geschäfte und die Fabrik in Frankenthal. Außerdem verpflichtete man den ehemaligen Meißener Modelleur Johann Friedrich Lück, unter dem die Manufaktur eine künstlerische Steigerung erfuhr. Die Frankenthaler Preziosen bot Joseph im Brüsseler Warenkatalog Journal de Commerce für den Pariser Markt an, mit dem Verweis auf den niedrigen Preis des Frankenthaler Porzellans bei ebenbürtiger Qualität mit Meißen und Sèvres. Ein Risiko in Hinblick auf die Verschuldung.


Übernahme der fabrique durch den pfälzischen Landesherrn

Drei Jahre nach dem Tod von Karl, verstarb Paul Hannong am 31. Mai 1760 und Joseph musste – durch die Erbansprüche der Geschwister gezwungen – die Manufaktur verkaufen. Kurfürst Carl Theodor als Hauptgläubiger übernahm die Fabrik am 1. Februar 1762 zu einem Drittel des Schätzwertes, für 36.091 Gulden.

Kurfürstliche Beamte bewachten von Mannheim aus das Unternehmen. Nachdem der bisherige Buchhalter der Kurmainzischen Porzellanmanufaktur Höchst, Adam Bergdold, den Erwartungen nicht entsprach, stellte man ihm 1770 Simon Feylner als Inspektor zur Seite,
der ihn 1775 als Direktor ablöste. Für die Entwürfe und Modelle  waren der Hofbildhauer Franz Conrad Linck und Karl Gottlieb Lück zuständig. 1779 wurde der Hofbildhauer Johann Peter Melchior aus Höchst als Modellmeister verpflichtet, der jedoch weniger Plastiken, als vielmehr Geschirr und Tafelaufsätze entwerfen sollte.

Künstlerisch war die Manufaktur erfolgreich, wirtschaftlich war es ein Zuschussbetrieb. Trotz zusätzlicher Verkaufsniederlassungen in Frankfurt, Mainz, Aachen, München, Basel, Nancy und Livorno stellte sich kein Aufschwung ein. Ein weiterer Einschnitt mit negativen Absatzfolgen bedeutete die Verlagerung der Residenz von Mannheim nach München, als 1777 Carl Theodor den bayerischen Thron erbte.


Das Ende einer Ära

Gegen Ende der 80er Jahre machte sich deshalb ein starker Rückgang in der Produktion und in dessen Folge ein Personalabbau bemerkbar. Um 1790 waren nur noch etwa 60 Porzellaner der vormals 100 Beschäftigten in der Fabrik tätig. Die revolutionären Kriegsereignisse im
Jahre 1794 leiteten den Untergang ein. Als drei Jahre später die linksrheinische Pfalz an Frankreich abgetreten werden musste, erklärten die Republikaner die Manufaktur zum Nationalgut. Unter dem letzten Besitzer, Johann Nepomuk van Recum aus Grünstadt, folgte man bei der Geschirrmalerei den modischen Stilrichtungen des Directoire und der Antikenbegeisterung. Die Qualität des Porzellans war stark gesunken, so dass van Recum 1799 die Frankenthaler Manufaktur aufgab.

Ein Reskript des Kurfürsten Maximilian IV. Joseph in München vom 27. Mai 1800 besiegelte offiziell das Ende der Porzellanmanufaktur Frankenthal.