Frankenthaler Porzellan

Das Bild zeigt eine Ansicht der Porzellanmanufaktur. Aquarell nach Photo um 1880.
Zwischen 1755 und 1800 wurde in Frankenthal kostbares Porzellan hergestellt, das heute in aller Welt gesammelt wird.
 

Die Fabrique durchsichtigen Porcellains  in Frankenthal 

Die Firmengründung durch Paul Anton Hannong  in Frankenthal war seit Nacherfindung der Porzellanherstellung außerhalb Chinas und Japans durch Johann Friedrich Böttger die siebte in Deutschland und zählt durch die Qualität ihrer Erzeugnisse zu den alten Spitzenmanufakturen von Weltruf. Mit Franz Conrad Linck, Adam Bauer und Johann Peter Melchior gehörten drei Hofbildhauer zu ihren Modellmeistern, doch auch Johann Wilhelm Lanz und die Gebrüder Lück waren Bildhauer von Rang, wie ihre zahlreichen Schöpfungen beweisen.

Ein Kurfürst, der sein zerfitzeltes Flickenteppichland zwischen Nordsee und den AlpenDas Bild zeigt eine aufgeklappte Schnupftabaksdose mit mytholigischer Malerei niemals in den Krieg gestürzt hat und sein Geld lieber für Musik, Theater und eben auch Porzellan ausgab, hatte es durch Ansiedlung von Unternehmen geschafft, aus Frankenthal eine „Fabriquenstadt“ zu machen, damit es dem ver-liehenen Titel „Dritte Hauptstadt von Churpfaltz“ durch Wohlhaben-heit und entsprechende Ausstat-tung gerecht werden möge. Die Porzellanfabrik zählte damals zum Interessantesten, was die Stadt zu bieten hatte. Mancher wichtige Besucher des Mannheimer Hofes machte einen Abstecher nach Frankenthal, um die fabrique  zu besichtigen, und sicher hat man-cher  auch eine Bestellung hinter-lassen. Ob er sie dann auch gleich bezahlte, ist eine andere Frage, je-denfalls wissen wir, dass die Porzellanfabrik stets in den roten Zahlen steckte, weil sie unter anderem hohe Außen-stände bei der Klientel "von Stande" hatte.

Das Bild zeigt den "Winter" -  Ausschnitt aus einer Jahreszeitengruppe von Johann Peter Melchior.

Sie litt „mit dicken rothen Backen an der Schwindsucht“, wie es damals ein technischer Beamter der Manufaktur ausdrückte, der damit die Produktion besten Porzellans für das Warenlager anprangerte, das nicht seinen Weg zum Kunden fand. Was heute Leckereien für Sammler sind, dümpelte damals zuhauf auf Regalbrettern herum, trotz der begnadeten Künstler. Die Fülle von Talenten, die damals in Frankenthal herumschwirrte, ist erstaun-lich, vor allem im Verhältnis zur damaligen Winzigkeit der Stadt mit ungefähr  3-4000 Einwohnern. Verwun-derlich wiederum für uns Heutige, dass diese Spitzen-kräfte durchaus nicht auf Rosen gebettet waren, es relativ wenig Lohn gab und  1780 sogar die Gehälter für 10 Monate ausblieben. Ein Künstler wie Johann Peter Melchior, der beeindruckende Bildwerke schuf, musste (nein: durfte!) nebenher als Zubrot Bildnismedaillons machen und war dann doch so verschuldet, dass er Kleinskulpturen verkaufen musste, die er eigentlich für sich geschaffen hatte.

 So gut die Kräfte waren, die in der fabrique arbeiteten, so schlecht war das Management der seit 1762 staatlichen Firma, deren Leitung es nicht verstand, die hohe Qualität der Produkte besser zu vermarkten. Mehr schlecht als recht wurde diese Manufaktur von Hofleuten verwaltet, während der „Chef", Kurfürst Carl Theodor, im fernen München regierte, aber trotz unmittelbarer Nähe zum Nymphenburger Porzellan immer wieder Frankenthaler Porzellan orderte. Auch für die kurpfälzische Wahlgesandtschaft zur Kaiserwahl in Frankfurt, wo es ihm darum ging,Das Bild zeigt "Ziege knabbert Blätter" -  Ausschnitt aus einer Figurengruppe von F. C. Linck. mit geschmackvollem Porzellan bei den Kollegen Kurfürsten und auswärtigen Beobachtern Eindruck zu schinden – zu dieser Zeit, also 1790, war Nymphenburg in seiner Entwick-lung im Rokoko steckengeblieben, während in Frankenthal  schickester Klassizismus angeboten wurde. Kein Wunder bei einem Modellmeister wie Johann Peter Melchior, der die Fir-menpalette aktualisiert hatte und dar-über hinaus schöngeistige Schriften über Kunst veröffentlichte. Er „über-lebte“ mit nur wenigen Getreuen den Untergang seiner fabrique insofern, als er 1797 in die Nymphenburger Por-zellanmanufaktur übernommen wurde. Zwar bestand zu der Zeit noch offiziell die Frankenthaler Manufaktur, doch war sie seit Anfang 1794 in die Hände der französischen Eroberer übergegangen und an den Unternehmer Johann Nepomuk van Recum verkauft worden, der  versuchte, die Por-zellantradition fortzusetzen. Nachdem er mangels guter Leute und guter Rohstoffe genü-gend Ausschussware produziert hatte, zog er mit Sack und Pack nach Grünstadt um, wo durch ihn der Anfang zu einer reichen Keramikproduktion bis ins Jahr 1980 gesetzt wurde. Der "Verzicht auf die Wiedererrichtung" der Frankenthaler Manufaktur durch Kurfürst  Max IV. Joseph am 27. Mai 1800 war nur noch Formsache, denn sie lag durch den Frieden von Campo Formio seit 1797 in Frankreich.

Hauptaufgabe der Manufaktur war die Lieferung von Gerätschaft für Tischkultur, denn fast alles, was sie herstellte, gehörte in diesen Bereich. Ob es sich nun um die mannigfaltigen Geschirre handelte von schlichter Blaumalerei bis hin zu reich vergoldeten und bemalten Prachtausgaben, oder um die vielen Figuren und Figurengruppen, die bei festlichen Tafeleien auf den Tischen herumturnten oder würdig standen, nach dem Bankett aberDas Bild zeigt Blumenmalerei auf einem Teller wieder beim Küchenchef im Schrank verschwanden – alle diese Porzellane dienten der gesteigerten Esskultur jener Tage. Dabei waren überbor-dende Festtafeln genauso im Visier der Porzellankünstler wie die verschwenderisch bemal-ten Tabletts, Kannen und Täss-chen für den Genuss von „Lustgetränken“ wie Tee, Kaffee oder Kakao in der Verschwie-genheit des Boudoirs beim zärtlichen Tête à tête. Natürlich produzierte die fabrique auch Vasen, Leuchter, Stockknäufe, Schreibzeuggarnituren, Duftöl-lämpchen, Scherenetuis, Rasiergeschirr oder sonstige Luxusartikel für eine betuchte Gesellschaftsschicht, das Gros aber war für die schön gedeckte, oft unter einem Motto stehende Tafel bestimmt, die die erfolgreich absolvierte Jagd, den antiken Götterhimmel oder buntes Treiben auf dem Land zum Thema haben konnte, je nach Ereignis oder Laune des Hausherrn, der Phantasie waren da kaum Grenzen gesetzt. Entsprechend vielgestalt ist das Sortiment, das die Manufaktur bereithielt und das man auch nach Jahrzehnten noch ordern konnte, ganz wie bei heutigen Nobelporzellanen.

 Dr. Edgar J. Hürkey

 

 
 
  • Frankenthaler Porcelain
  • Porcelaine de Frankenthal
  • Frankenthalska porcelana

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