900 Jahre

Frankenthaler Geschichte(n) 1119 - 2019
"900 Jahre Grundsteinlegung Augustiner Chorherrenstift Groß-Frankenthal- Erkenbertruine"

 

                                                                        Foto: Stadtverwaltung Frankenthal (Pfalz)


Anlässlich des bevorstehenden Ereignisses Frankenthaler Geschichte(n) 1119 - 2019 nachfolgend geschichtliche Hintergrundinformationen und Fakten:

      Frankenthal, ursprünglich Franconodal

Die Geschichte der Stadt Frankenthal reicht bis ins Mittelalter zurück. Erstmals erwähnt  im Jahre 772 in einer Urkunde des Klosters Lorsch. Bis ins 12. Jahrhundert blieb Frankenthal, das ursprünglich Franconodal hieß, aber abseits des großen politischen Geschehens. Die Bewohner des Dorfes, das zum Bistum Worms gehörte, lebten vom Ackerbau, von der Viehzucht, der Jagd und vom Fischfang im Rhein.


     Gründung des Augustiner-Chorherrenstiftes durch Erkenbert

Die Gründung des Augustiner-Chorherrenstiftes Groß-Frankenthal durch den Wormser Adeligen Erkenbert im Jahre 1119 und des Frauenklosters Klein-Frankenthal durch seine Gemahlin Richlindis 20 Jahre später, führten zu einer grundlegenden Veränderung des dörflichen Lebens. Mit der Entstehung der beiden Stifte ist die "geschichtslose Zeit" Frankenthals vorbei. Das Grundstück, auf dem das Stift errichtet wurde, lag nahe der Pilgerroute nach Rom und Santiago di Compostela.


      Produktives Scriptorium: "Frankenthaler Bibel"

In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Chorherrenstift zu einem produktiven Scriptorium. Die überwiegende Zahl der identifizierten Handschriften  entstanden zwischen 1145 und 1179. Das wohl berühmteste Schriftstück ist die 1148 entstandene sogenannte "Frankenthaler Bibel", die heute in der British Library in London aufbewahrt wird. Teil des Scriptoriums war eine Stifts- bzw. Schreiberschule, in der Novizen ausgebildet wurden. Das Kloster beherbergte zudem eine umfangreiche Bibliothek mit Werken unterschiedliche Gattungen.


     Auflösung des Augustiner-Chorherrenstiftes

Im Zuge der Reformaton wurde 1562 das Kloster endgültig aufgelöst. Nach seiner Auflösung war es trotzdem weiter von Bedeutung. 1562 siedelte Kurfürst Friedrich III. niederländische Glaubensflüchtlinge in den leerstehenden Gebäuden des Stifts an. Sie machten Frankenthal innerhalb weniger Jahre erneut zu einem wirtschaftlichen, kulturellen und teilweise auch wieder religiösen Zentrum. Das Stift wurde so zum Ausgangspunkt für die gesamte weitere Entwicklung Frankenthals als Stadt.

      Erkenbertruine: Stand heute

Erhalten sind vom Stift nur Reste der ehemaligen Stiftskirche: die eindrucksvolle Westfassade der ehemals dreischiffigen, sechsjochigen und ungewölbten Pfeilerbasilika, die nördliche Seitenschiffwand, der spätgotische Lettner und ein Turmunterteil, das in den Bau der benachbarten Zwölf-Apostel-Kirche einbezogen wurde. Erkennbar sind auch Ansätze einer ehemals gewölbten Vorhalle. Das Säulenstufenportal der Westfassade, formal dem Nordportal des Wormser Domes verwandt, zeigt ausgereifte Blattwerkornamente und Tierfiguren an Kämpfern und Archivolte.


                                                                                 Foto: Stadtverwaltung Frankenthal (Pfalz)