Neue Ausstellung im Kunsthaus "Luther und Babylon" - Bilder von Ideen und ihren Folgen im Kunsthaus Frankenthal vom 12.01.2018 – 18.02.2018

„Luther und Babylon: Bilder von Ideen und ihren Folgen“ ist Titel der Ausstellung im Kunsthaus Frankenthal vom 12. Januar bis 18. Februar 2018.

 

Zu sehen sind Werke von Malern, Bildhauern und Zeichnern zum Thema der Reformationsgeschichte: Frank Diersch, Dieter Goltzsche, Hans-Hendrik Grimmling, Marc Gröszer, Sylvia Hagen, Jürgen K. Hultenreich, Horst Hussel, Katrin Kampmann, Kai Klahre, Hagen Klennert, Harald-Alexander Klimek, Jürgen Köhler, Natascha Mann,  Sophie Natuschke, Ronald Paris, Hans Scheib, Helmut Senf, Reinhard Stangl,  Songwen Sun-von Berg, Ruth Tesmar, Heidi Vogel und Jana Wilsky.

Zusammengestellt vom Verein „Kunst-Projekte e. V.“ aus Waldsieversdorf (Brandenburg), wurde die Ausstellung 2017 in den Räumen der Sparkasse Märkisch-Oderland in Frankenthals Partnerstadt Strausberg gezeigt. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der käuflich erworben werden kann.

Vernissage ist am Freitag, 12.01.18 um 18:30 Uhr im Kunsthaus Frankenthal. Begrüßt werden die Besucher durch Oberbürgermeister Martin Hebich. Die Laudatio hält  Anke Zeisler vom Verein „Kunst-Projekte  e. V.“ aus Waldsieversdorf; sie hat die Ausstellung auch konzipiert. Für die musikalische Umrahmung sorgen die Sopranistin Andrea Silber sowie Musikdirektor Rainer Diehl am Klavier.

Zur Ausstellung findet ein Begleitprogramm statt. Am 26.01.2018 gibt es eine Lesung mit Jürgen K. Hultenreich  zum Thema "Luther und die Freiheit" und am 02.02.2018 eine musikalische Darbietung "Spiritu-Wellness" mit Michael Bauer (Wort) und Andrea C. Baur (Laute). Auf der musikalischen Basis einer Laute, wie sie auch von Martin Luther gezupft wurde, klingt es in diesem Programm nur manchmal historisch rein.

So reflektiert Harald-Alexander Klimek aus Frankenthal (Pfalz)  in seinem Diptychon „Bauernopfer“ und „Der Turm“ die Reformation als eine Zeitenwende. Es sind detailreiche Sinnbilder, in aufwendiger Lasurentechnik gemalt. Im „Bauernopfer“ bewegen sich allegorische Figuren vor dem Hintergrund der vier Elemente – ein Hinweis auf das Naturverständnis im 16. Jahrhundert. Im Feuer steht trommelnd der Geist eines „Ketzers“. Oder ist es ein Magier aus älterer Zeit? Die Kirche sitzt im Element Wasser als ein Schätze hütendes böses Tier. Im Element Luft sehen wir drei Fürsten mit Kanonenrohren: Kriegstreibende Kräfte. Kämpfende Bauern haben sich abgewandt von geistlicher und weltlicher Macht, und die Erde ringsum ist rot von ihrem Blut. In der Mitte ganz kleine, schwarze Gestalten, Umrisse von Seelen - die Einheit, um die in dieser Zeit verhandelt wird.

Das Pendant „Der Turm“ ist Bild im Bild, Collage, ein Zitat: Der Turm von Babel, Illustration aus dem 1679 erschienenen Buch „turris Babel sive Archontologia“ des gelehrten Jesuiten Athanasius Kircher. Der Turm ist hier ein behauener, auf vielen Treppenwegen begehbarer Fels, der in den Himmel ragt: Bild der Utopie von der ursprünglichen Einheit alles Wissens, aller Sprachen, aller Religionen, von der Ordnung im großen Bauplan Gottes. Die Zeit der Alchemie ist vorbei, die Neue Zeit der Wissenschaften hat begonnen. Klimek kommentiert dieses Bildzitat mit allegorischen Darstellungen von Brandstiftung und Krieg. Die Einheit der Welt erscheint als Illusion. Der Zeichner warnt vor menschlicher Hybris.

Ein Diptychon über Gegensätze zeigt die in Shanghai/China aufgewachsene Künstlerin Songwen Sun-von Berg. Zwei Tuschzeichnungen, „Himmelssäule“ und „Erdsäule“, laden ein zu einer Betrachtung einer in Zeichnung übersetzten Natur. Hier ist kein Kampf. Himmel und Erde sind Pole, die einander bedingen. Sie sind vor dem Anfang aller Geschichten. Das christliche Drama von Tod und Auferstehung, von Schuld und Erlösung – hat hier noch nicht begonnen.

Sophie Natuschke verbindet in der Graphik-Reihe „solo verbo“ Vorbilder aus dem Holzschnitt von Hans Sebald Beham „Kriegsgreuel in einem Dorfe“ mit der Martin Luther übersetzten Liedzeile „Wer kan herr für dir bleiben“. Der Text, eine Zeile aus dem Buß-Psalm „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir“, gibt das Thema vor; in den Bildern scheinen Vorbilder und Wörter zu schweben, wie vom Wind verweht.

Jürgen K. Hultenreich zeigt sechs kleinformatige Tuschezeichnungen, die, ohne als Serie entstanden zu sein, ein Ensemble bilden. Die Erzählungen des Glaubens sind in knappen Bildszenen zusammengefasst, nicht ohne Ironie, skizzenhaft, in fahlen Farben. Manche Zeichnungen illustrieren oder kommentieren Sprüche oder Verszeilen. Der Übergang zum Genre der Karikatur ist fließend. „Der Teufel und sein Schüler“ heißt eins der kleinen Werke. Ein anderes: „Luther träumt von Maria“. In spielerischer Konzentration sucht der auch als Schriftsteller bekannte Zeichner die Essenz des Geschehens, die gültige Form einer seelischen Erfahrung. In Werken zur Kreuzigung und Auferstehung entfaltet er den dramatischen Kern des christlichen Glaubens.

Horst Hussels zwei Ölgemälde -  kleinformatig, quadratisch -  lassen an Wandkacheln denken. „Luther und der Bapst" ist eine naiv-raffinierte farbige Strichzeichnung – Die Figur „Luther“ hat sich hier auf das Dach einer Kirche gestellt und steht dadurch höher als die Figur des Papstes. Der Künstler verweigert hier jeglichen Pathos einer Historienmalerei oder -graphik. Radikaler noch das Pendant des kleinen Bildes vom Papst: Luther im Kampf mit dem Teufel, genauer: Den Wurf des Tintenfasses an die Wand der Wartburg. Das ist eine Bewegung, ein Fleck an der Wand und die  Frage: Was ist ein Bild?

Von Jana Wilsky ist eine abstrakte Arbeit zu sehen: „Meer Bach". Eine Arbeit in blauer Farbe, Linien und Noten sind angedeutet: Übersetzung des zeitlichen Ablaufs von Musik in das Rechteck einer Bildfläche.

In Hans-Hendrik Grimmlings großformatigen Ölgemälde „Bruderkreuz" glühen Rot und tiefes Schwarz auf hellem Grund. Das Zeichen des Kreuzes in Schwarz, halb verdeckt, beherrscht das Gemälde. Umfassende rot-schwarze Figuren deuten Zusammenhalt an. Aber die Bedeutung des Bildes ist zurückgenommen, nur angedeutet als Chiffre oder Verdichtung, Essenz. Das Gemälde lässt daran denken, dass die Geschichte der Reformation auch eine Geschichte der Bilder ist:  Protestanten waren Bilderstürmer. Die Kunst fand neue Formen. Der Maler, an der sozialistisch-propagandistischen Leipziger Kunsthochschule erzogen und später einer der leidenschaftlichen Abtrünnigen, ergründet im Bild die Möglichkeiten der Aussage diesseits und jenseits der sichtbaren Welt.